Zähl- und Messwesen 

Das modulare EDL-Konzept 


Ausgangslage: Zurzeit sind in Deutschland etwa 43 Millionen Zähler für die Stromverbrauchsmessung und rund 25 Millionen Zähler für die Gasverbrauchsmessung installiert. Hinzu kommen noch etwa 50 Millionen Zähler im Bereich der Wasserversorgung. Derzeit werden jährlich etwa eine Million Zähler neu installiert, entweder im Rahmen von Neubauten oder aber im Zuge des normalen Austauschs. Weitere 800.000 Haushaltszähler werden aus eichrechtlichen Gründen ausgetauscht.

Um die Voraussetzungen für eine großflächige Einführung der elektronischen Haushaltszähler im Strombereich zu schaffen, hatten 20 Netzbetreiber im Rahmen des damaligen Verbandes der Netzbetreiber (VDN) schon 2006 einen Versuch mit rund 16.000 Geräten gestartet. Bei der Entwicklung und Umsetzung haben Anwender, Zähler- und Zählerplatzhersteller zusammengearbeitet, um vor allem die Praxistauglichkeit der Zähler sowie Maßnahmen zum unterbrechungsfreien Austausch zu testen. Anfang November 2006 wurde der Pilotversuch mit positivem Ergebnis abgeschlossen.

Ziel: Die Lastenhefte "Elektronische Haushaltszähler" (eHZ, 3.HZ, EDL) und "Multi Utility Communication" (MUC) sollen den Zählerplatz- und Zählerherstellern sowie den Anwendern als abgestimmte Arbeitsgrundlage für die Entwicklung elektronischer Haushaltszähler dienen. Angestrebt werden dabei:

  • Herstellerübergreifend austauschbare Geräteausführungen
  • Preiswertes Basismodul (EDL21-Zähler) durch zusätliche Module erweiterbar
  • Einhaltung eichrechtlicher Vorgaben im Umgang mit abrechnungsrelevanten Messwerten
  • Unterbrechungsfreier, leichter Zählertausch durch Montage per Stecktechnik
  • Weitestgehender Investitionsschutz durch technische Entkopplung der Messtechnik von der schnelllebigen Weitverkehrskommunikation
  • Vereinheitlichung des Zulassungsverfahrens bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB)

Ab 1. Januar 2010 müssen in Neubauten und bei größeren Renovierungen gemäß § 21b EnWG Messeinrichtungen installiert werden, die dem Anschlussnutzer den tatsächlichen Energieverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegeln.
Dies wird im Rahmen eines modularen Konzeptes durch den elektronischen Basiszähler (EDL21-Zähler) realisiert.

Spätestens bis zum 30. Dezember 2010 sollen dem Elektrizitätsverbraucher gemäß § 40 EnWG zusätzlich lastvariable oder tageszeitabhängige Tarife angeboten werden, die einen Anreiz zu Energieeinsparung oder Steuerung des Energieverbrauchs setzen.
Dies erfolgt durch die Ergänzung des Strom-Basiszählers um den MUC-Controller zum sogenannten EDL40-System.

Aktueller Stand: Im FNN arbeiten Anwender, Hersteller, Verbände und Institutionen gemeinsam an der Realisierung eines modular aufgebauten und erweiterbaren spartenübergreifenden Konzeptes. Dieses herstellerunabhängige Konzept besteht aus elektronischen Haushaltszählern sowie einem Kommunikationsmodul, dem MUC-Controller (Multi Utility Communication), als eine wesentliche Voraussetzung zur Realisierung eines intelligenten Messsystems (Smart Metering).
Spezifikationen für die entsprechenden EDL-Funktionen werden derzeit abgestimmt. Dabei werden auch die genauen Randbedingungen, die die neuen Zähler aus verbraucher- und datenschutzrechtlicher Sicht erfüllen müssen, geklärt. Diese neuen elektronischen Haushaltszähler, die zusätzlich zum Zählerstand auch Verbrauchsdaten speichern, anzeigen und über standardisierte Schnittstellen übertragen können, werden die konventionellen Ferraris-Zähler ab 2010 ablösen.

Ziel ist die Entwicklung intelligenter Messsysteme, die mittels des MUC-Controllers mit allen gängigen IT-Systemen zur Zählerfernauslesung kommunizieren und Haushaltszähler für Strom, Gas, Wasser und ggf. auch Fernwärme integrieren können. Am Ende der Entwicklungsphase soll es in ganz Deutschland und vielleicht darüber hinaus einen einheitlichen Standard geben. Erste Pilotprojekte zeigen, dass dieses Ziel nicht nur eine Vision ist. Angestrebt werden möglichst preisgünstige und einfach zu realisierende Lösungen.

Modular bedeutet, dass Messtechnik und schnelllebige Weitverkehrskommunikation in getrennten Geräten realisiert werden. Evtl. weitere Anforderungen (z. B. In-House- communication) können als weitere Module hinzugefügt werden. Vorteil ist, dass Messtechnik und schnelllebige Kommunikationstechnik getrennt eingebaut oder ausgetauscht werden können. Der Kunde bezahlt jeweils nur die Hardware, die für die in Anspruch genommenen Dienstleistungen notwendig ist. Modular bedeutet auch, dass neben Strom- und Gaszählern auch Zähler anderer Medien über eine Schnittstelle mit dem Kommunikationsmodul (MUC-Controller) kommunizieren können.

Herstellerunabhängig bedeutet, dass Module verschiedener Anbieter verwendet werden können, zusammen funktionieren und ggf. einzeln ausgetauscht werden können. Vorraussetzung dafür sind genau festgelegte Schnittstellen und Kommunikationsstandards. Verwendet werden gebräuchliche Standards, wie z. B. TCP/IP, bzw. für die Primärkommunikation zwischen Zähler und MUC-Controller SML (Smart Message Language) und der sogenannter Funk-M-Bus, der erst kürzlich mit der Open Metering Spezifikation (OMS) beschrieben wurde. SML ist ein modernes Protokoll, das die Kommunikation über alle Medien hinweg ermöglicht.