Energieeffizienz 

Auf die Pumpe kommt es an 

Frankfurt  13.08.2007 

Durch den Einsatz energiesparender Pumpen könnte der Stromverbrauch bis zum Jahr 2020 europaweit um 44 TWh gesenkt werden. Das ist mehr als das Doppelte des Jahresverbrauchs von Berlin. Die CO2-Emissionen könnten um 17,6 Millionen Tonnen sinken, schätzen Experten. Eine Schlüsselrolle können dabei unter anderem energieeffiziente Heizungs- und Wasserversorgungspumpen spielen.

Allein die bundesweit mehr als 30 Millionen Heizungspumpen benötigen etwa 3,5 Prozent des gesamten Energieaufkommens in Deutschland. Ihr Verbrauch liegt damit in der Größenordnung aller Schienenfahrzeuge von Deutscher Bahn und öffentlichem Nahverkehr zusammengenommen.

Enorme Einsparpotentiale ergeben sich durch den Einsatz so genannter Hocheffizienz-Pumpen. Diese verbrauchen gegenüber herkömmlichen Umwälzpumpen bis zu 80 Prozent weniger Strom. Eine spezielle Motortechnologie sorgt im Vergleich zu herkömmlichen Pumpenantrieben für einen doppelt so hohen Wirkungsgrad. Heizungsanlagen lassen sich damit hocheffizient und stromsparend betreiben - im kleinen Reihenhaus genauso wie in großen Objekten wie Verwaltungsgebäuden oder Hotels. Energieeffizienzklasse A bei Heizungspumpen Vor allem Pumpen der Energieeffizienzklasse A bieten erhebliche Einsparungen.

Im Jahr 2005 hat sich der Verband europäischer Pumpenhersteller Europump, indem auch die Hersteller von Heizungspumpen organisiert sind, zu einer einheitlichen Kennzeichnung der Energie-Klassifizierung ihrer Produkte verpflichtet. Die Referenz für das neue Energie-Label hat die 2001 eingeführte Hocheffizienz Pumpe "Wilo-Stratos" der Dortmunder Wilo AG vorgegeben.

Einsparpotentiale in der Praxis belegt

Nachdem beispielsweise im Maritim Airport Hotel Hannover herkömmliche Pumpen durch Hocheffizienz-Pumpen ausgetauscht worden waren, sank der Stromverbrauch in den entsprechenden Heiz- und Zirkulationskreisen erheblich, zum Teil um über 80 Prozent. Bei der Deutschen Rentenversicherung Westfalen (Münster) wurde die gesamte Heizungs-, Kälte- und Klimatisierungstechnik Zug um Zug auf die Hocheffizienztechnologie des Dortmunder Pumpenspezialisten umgestellt. Hier konnten im direkten Vergleich zu den vorhandenen ungeregelten Pumpen bei normalem Betrieb Energieeinsparungen von 65 Prozent gemessen werden.

Auch beim Einsatz von Hocheffizienzpumpen in Schulen wurden hohe Einsparpotentiale realisiert - ein Schulzentrum in Niedersachsen konnte seine lO-Jahres-Kalkulation bei den Stromkosten für den Betrieb der Heizungspumpen von 9.740 Euro auf gerade einmal 410 Euro reduzieren. Vorausgegangen war eine Heizungsoptimierung mit gleichzeitiger Umstellung auf Hocheffizienz-Pumpen. Die Amortisationszeiten für die Umstellung von ungeregelten Standardpumpen auf die etwas teureren Hocheffizienz Pumpen liegen zwischen zwei Jahren in Einfamilienhäusern und maximal vier Jahren in größeren Objekten.

Wasserversorgung mit Pumpen

Doch auch wo Pumpen in der Wasserversorgung benötigt werden, stellt der Stromverbrauch einen nicht zu unterschätzenden Kostenfaktor dar. Vor allem größere Ausführungen mit Nennleistungen von 10 kW oder mehr können - je nach Einsatzprofil und Betriebszeiten - Stromkosten von mehreren hundert Euro pro Jahr verursachen.
Erhebliche Beiträge zur Energieund Kosteneinsparung lassen sich hier durch elektronisch geregelte Pumpen erzielen. Dabei handelt es sich um "intelligente" Systeme, die in einer Vielzahl von Installationen nicht nur Anwendungsprobleme und Nachteile ungeregelter Pumpen vermeiden, sondern auch deutlich stromsparender arbeiten.

Bedarfsgerechte Leistung

Die neueste Pumpengeneration verfügt über Frequenzumrichter mit magnetfeldorientierter Regelung. Hierdurch kann die Drehzahl des Pumpenantriebes stufenlos an die Anforderungen des Systems angepasst werden. Bei herkömmlichen Systemen mit ungeregelten Pumpen erfolgt die Auslegung statt dessen nach der maximal erforderlichen Leistung, die dann permanent zur Verfügung steht, obwohl sie im Schnitt nur während 20 Prozent der Betriebszeit wirklich gebraucht wird.

Elektronisch geregelte Pumpen laufen demgegenüber mit der Drehzahl, die dem tatsächlich benötigten Förderbedarf entspricht. Meist reicht der deutlich wirtschaftlichere Teillastbetrieb völlig aus, woraus erhebliche Stromeinsparungen resultieren. Das Stromsparpotential im Vergleich zu ungeregelten Pumpen beträgt - je nach Einsatzbereich und Pumpenmodell - bis zu 50 Prozent, in Einzelfällen sogar noch mehr.

Teil der Gebäudeleittechnik

Bei Neubau und Sanierung größerer Immobilien wie Bürogebäuden, Hotels, Krankenhäusern oder Industrieanlagen ist der Einsatz moderner Gebäudeleitsysteme praktisch schon Standard. Die "intelligenten" Wilo-Pumpen bieten hier ein modulares Busanbindungskonzept. Mit entsprechenden Schnittstellen ausgestattet, können sie aufverschiedene Bussysteme, Schnittstellen und Protokolle abgestimmt werden.

Auch für die Überwachung und Steuerung von Druckerhöhungsanlagen per Gebäudeleittechnik steht ein breites Spektrum an Lösungen zur Verfügung. Denn in größeren Gebäuden wie Wohn-Hochhäusern, Hotels, Krankenhäusern sowie Verwaltungs- und Industriegebäuden reicht der vom Wasserversorger gelieferte Druck meist nicht aus, um alle Zapfstellen der Trinkwasserversorgung oder das komplette Löschwassersystem zu versorgen. Druckerhöhungsanlagen der neuesten Generation verfugen dabei über eine automatische und komfortable Regelungselektronik, mit der die Pumpen besonders geräuscharm und energiesparend betrieben werden.
Dabei wird der Druck des Wasserversorgungssystems lastabhängig über Signalgeber geregelt. Je nach Anlage und Lastanforderung werden Spitzenlastpumpen automatisch zu- bzw. abgeschaltet, wobei die Feinregelung auf den eingestellten Sollwert durch die elektronische Drehzahlregelung der Grundlastpumpe erfolgt.

Effizienz als Geschäftsfeld

Eine Studie des Wuppertal Instituts belegt: Mit effizienter Technologie lässt sich viel Energie sparen. Vorraussetzung sei die Nutzung energiesparender Lösungen bei Elektrogeräten, beim Neubau und bei der Renovierung von Gebäuden und Anlagen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie des Wuppertal Instituts im Auftrag der E.ON AG, die im Sommer in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Etwa 70 technische Maßnahmen wurden detailliert analysiert. Ergebnis: Haushalte, Industrie, Gewerbe und Handel können rund 40% an Energie sparen und davon direkt profitieren. Investitionen in Endenergieeffizienz können mit Renditen von zumeist mehr als 10%, in einzelnen Fällen über 100% punkten. Eine staatliche Förderung sei jedoch notwendig für eine rasche Realisierung dieser Potentiale.

Die Wissenschaftler erwarten vor diesem Hintergrund einen großen Markt für Energieeffizienz-Dienstleistungen.

Die Kurzfassung der Studie steht unter: www.wupperinst.org

 

Quelle: Brennpunkt Energie 2/2006, Energieagentur NRW