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Einleitung Zu dem mir übertragenen "Thema Neue Herausforderungen für die Ingenieurausbildung" erwarten Sie die Stellungnahme eines Vertreters der Industrie. Ich spreche aber gleichzeitig auch als Präsident des VDE, des Verbandes der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik. Ich werde deshalb im folgenden auch Empfehlungen des VDE einbeziehen, z. B. zur Gestaltung der neuen konsekutiven Studiengänge mit Bachelor- oder Master-Abschluss oder zur Ausstattung der Fachbereiche der Elektro- und Informationstechnik.
Sicherlich muss ich Sie auch nicht allzu sehr von der Bedeutung der Ingenieurwissenschaften überzeugen; ich verweise nur auf das "Memorandum des Ingenieurdialogs" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit dem Titel "Zukunftssicherung des Ingenieurwesens in Deutschland". Hier wird betont, dass die Ingenieure "wesentlicher Motor der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland sind ... . Die exzellente Ingenieurausbildung in Deutschland genießt Weltruf." |
| Leben vom Export |
In der Tat ist die Ingenieurausbildung ein wichtiger Standortfaktor. Das gilt besonders für die auch von mir vertretenen Technologien Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik. Nach Angaben des Industrieverbandes ZVEI hängen in Deutschland rund die Hälfte der Industrieproduktionen und über 80 % des Exports vom Einsatz elektrotechnischer und elektronischer Systeme ab. Investitionen in vom Export den technisch-wissenschaftlichen Nachwuchs sind deshalb Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland. Mit Investitionen meine ich hier nicht nur die finanziellen Investitionen sondern auch die strukturellen und organisatorischen Veränderungen. In der Industrie und an den Hochschulen haben sich in der letzten Zeit enorme Änderungen ergeben, die weiterwirken werden und auf die ich zunächst eingehen möchte. 

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1 Neue Herausforderungen für die Ingenieurausbildung Die Hochschullandschaft erlebt derzeit einen Umbruch: Globalhaushalte, formelgebundene Mittelzuweisungen und Neustrukturierung der Professorenbesoldung, die Einführung von Bachelor- und Master-Abschlüssen und die zunehmende Globalisierung des Bildungsmarktes, die Internationalisierung in Lehre und Forschung sowie die Einführung neuer innovativer Studienangebote sind wichtige Themen, die die Diskussion in Politik, Wirtschaft und Hochschule prägen. Auf einige dieser Veränderungen werde ich später noch einmal eingehen.
In der Industrie, hauptsächlich in den Schlüsseltechnologien der Elektro- und Informationstechnik, hat sich der Strukturwandel naturgemäß sehr viel früher eingestellt; er begann etwa Anfang der neunziger Jahre. Bevor ich auf diesen Strukturwandel in der Technik und der zugeordneten Industrie näher eingehe, möchte ich doch herausstellen, dass es wohl einen offensichtlichen Zusammenhang zwischen dem Wandel in der Hochschullandschaft und dem Strukturwandel in der Industrie gibt. Dieser Zusammenhang liegt im gemeinsamen Bestreben, den notwendigen Beitrag zur Innovationsfähigkeit unserer sich globalisierenden Wirtschaft und Gesellschaft zu sichern. Andererseits hat der frühere sächsische Kultusminister Meyer recht, wenn er formuliert: "Hochschulen sind weder Behörden noch Unternehmen. Ihre Besonderheit liegt darin, dass sich Leistungsbeurteilungen an wissenschaftsimmanenten Kriterien orientieren müssen" [1].
Auch ist die Einschätzung zu bedenken, die bei einem VDE-Bildungsforum in Berlin kürzlich von einem Technikphilosophen gegeben wurde, Professor Kornwachs, TU Cottbus, meint, die Hochschulen beeilen sich, "voreilig und beflissen ihre Bildungsangebote auf das fachliche Design von Berufskarrieren umzurüsten, die es so danach gar nicht mehr geben wird" [2]. Er spricht von einer fatalen Konsequenz, und ich meine, diese Hinweise sollten ernst genommen werden. |
| Für Gesellschaft |
Auf der anderen Seite ist natürlich der Zusammenhang zwischen der Wirtschaftskraft eines Landes, dem Wohlstand einerseits und der Nachwuchsförderung und Ausbildungsqualität andererseits unübersehbar: Wer Spitzenleistungen in den Schlüsseltechnologien haben will, muss auch für eine hochqualitative Ausbildung sorgen. Die Ingenieure des Bereichs Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik tragen aber auch zur Lösung dringender Gegenwartsprobleme bei. Ob effiziente und umweltschonende Energieumwandlung, Abgaskatalysatoren oder ABS, minimalinvasive Chirurgie oder globale Kommunikation - ohne Erfindergeist der Ingenieure - werden derartige Innovationen nicht möglich. Damit wird auch ein Beitrag geleistet, die Lebensbedingungen der Menschen erheblich zu verbessern. Ich glaube, dies ist eine wichtige Komponente, die in der Diskussion auch unter den Politikern über den Stellenwert des Ingenieurs und der Ingenieurausbildung oft vergessen wird: Es geht eben nicht nur um die oben erwähnte Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft, sondern es geht auch darum, dass Ingenieurleistungen eine gesellschaftliche, und wenn man so will, auch soziale Bedeutung haben. 

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1.1 Umbruch im Berufsbild Im Berufsbild des Ingenieurs der Elektro- und Informationstechnik hat sich in den letzten etwa 5 Jahren ein enormer Wandel vollzogen, der in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde. Der Ingenieur ist keinesfalls ein einsamer Tüfteler mehr, vielmehr ist die Teamarbeit - oder das, was man "soziale Kompetenz" nennt, unbedingt notwendig. Er muss sich schnell auf neue Technologien und Fragestellungen einstellen, wobei hier auch die Bedürfnisse der Kunden gemeint sind. Dabei geht es nicht um das technisch Machbare, sondern um die Suche nach einer optimalen Lösung mit begrenzten Mitteln. Der Ingenieur ist also kein Technokrat; für Möglichkeiten und Gefahren muss er ein Sensorium haben. |
| Systemwissen |
Vom modernen Ingenieur werden hohe Flexibilität, solides Fachwissen und eine Reihe von überfachlichen Qualifikationen gefordert. Bereits heute sind in den klassischen Tätigkeitsbereichen Konstruktion, Fertigung und Entwicklung, wobei hier die Softwareentwicklung einbezogen ist, nur noch die Hälfte aller Ingenieure beschäftigt; siehe Bild 1. Marketing und Vertrieb, d. h. Beraten, Organisieren, Vermitteln, Analysieren und Verkaufen werden zunehmend wichtiger. Die Dienstleistungsfunktionen nehmen also zu, ebenso das Projektmanagement als Verbindung technischer und dienstleistungsorientierter Kompetenzen. Bei der Projektarbeit steht das "Denken in Kosten, Zeit und Qualität" im Vordergrund. Die Fachleute arbeiten heute in interdisziplinären Teams, oft in internationaler Zusammensetzung und an verschiedenen Orten. Mitarbeiter der Marketingabteilung und Kunden werden häufig von Anfang an in die Entwicklung eines Systems einbezogen. Den Kunden werden auf sie zugeschnittene Problemlösungen und Dienstleistungen angeboten. Ich habe bewusst von technischen Systemen gesprochen, denken Sie z. B. an ein Mobilfunk-System oder eine Industriesteuerung, und ich möchte hierauf und auf die weiteren strukturellen Veränderungen in der Industrie, vor allem der Elektroindustrie näher eingehen. In dieser Industrie nimmt die sogenannte "Systemintegration" zu. Wir sprechen also nicht mehr von einzelnen Produkten und Geräten, sondern von Systemlösungen, wo alle Komponenten, Software-Produkte und Dienstleistungen aufeinander abgestimmt sind. Dieses "Systemwissen" zeichnet einen modernen Ingenieur heute aus; die Technik wird mit Software, Vertrieb, Service und Marketing verknüpft.
Stichwort: Software Während der Elektroingenieur früher hauptsächlich für die Hardware zuständig war, existieren jetzt diese Grenzen zwischen Hardware und Software nicht mehr. Die meisten Innovationen werden durch eine intelligente Verbindung von Hard- und Software realisiert. Beispielsweise kann man in der Kfz-Elektronik über Software-Parametrierung die gleichen Bauteile für verschiedene Anwendungen herstellen. Die Werkzeuge des Ingenieurs sind heute PC und Internet.
Ich will das an einem Beispiel erläutern; Bild 2. Am Beginn einer bestimmten Ingenieuraufgabe steht die Analyse des zu bearbeitenden Vorgangs, verbunden mit der anschließenden Frage, wie die notwendigen Funktionen des zu entwickelnden Systems (z. B. Mobilfunksystem) in optimaler Weise zwischen Hard- und Software aufgeteilt werden können. Es können nicht sofort die Werkzeuge des Informatikers wie z. B. Simulationstools verwendet werden. Die Ergebnisse müssen zudem überprüft und die Daten verifiziert werden. Entsprechend vielfältig sind die Anforderungen an die Ingenieure, die diese Aufgabe lösen. Sie benötigen solides Fachwissen, sowohl der Ingenieurwissenschaften als auch der Informatik, wobei dem Systemwissen besondere Bedeutung zukommt. Zusätzlich wird erwartet, dass die Ingenieure in der Teamarbeit geschult sind und praktische Erfahrungen mit Gruppenprojekten haben, bei denen verschiedene Tätigkeiten parallel ausgeführt werden. Ebenfalls sind Grundkenntnisse in den Bereichen Wirtschaft, Marketing und Unternehmensführung gefragt. Für diese Aufgaben und Qualifikationen werden persönlichkeitsbezogene Kompetenzen benötigt wie Problemlösungsfähigkeiten, Bewusstsein für lebenslanges Lernen, Einfühlungsvermögen in die Bedürfnisse der Kunden sowie Wissen um kulturelle Unterschiede in einem globalen Umfeld. Die hohen Anforderungen bedeuten aber nicht, dass jeder alles können muss. Allerdings sollte die Fähigkeit vorliegen, im Team zu arbeiten, wo sich einzelne Kompetenzen ergänzen. In der Praxis wird der Ingenieur also als ein Problemlöser betrachtet, der sich schnell auf neue Technologien und Fragestellungen einstellen kann [3]; Bild3. Das Studium - und dies sowohl an Fachhochschulen als auch an Universitäten - vermittelt die notwendigen Grundkenntnisse hierfür. Dazu kommt die Vermittlung und Stärkung des fachlichen und methodischen Wissens und die Einübung von Problemlösungstechniken. 

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1.2 Strukturwandel in der Industrie Wir halten also eine der wichtigen strukturellen Veränderungen fest: Die Arbeit des Ingenieurs verlagert sich von der Entwicklung neuer technischer Komponenten und Geräte hin zur Projektierung, Implementierung und Integration komplexer Systeme aus Hard- und Software sowie deren Konfigurierung und Betrieb. Es wächst der Anteil von Software-Arbeiten und des sog. Engineering an der Wertschöpfung. Die Folge dieses strukturellen Wandels ist, dass die bestehenden traditionellen Arbeits- und Organisationsmuster in den Unternehmen, die weitgehend auf funktionale Strukturen ausgerichtet sind, so nicht weiter bestehen bleiben. Stattdessen wird sich in den nächsten Jahren der bereits begonnene Prozess verstärken, Teams zu bilden, die abteilungs- und fachübergreifend an einem Projekt zusammenarbeiten. Diese Arbeitsweise bedingt eine partnerschaftliche Führung sowie die Orientierung am Gesamtziel. Die Ingenieure denken nicht nur in Funktionen, sondern in Prozessen; sie müssen lösungsorientiert arbeiten. Ein Beispiel für das Zusammenwachsen - der neue Begriff ist Integration - einzelner Fach- und Entwicklungsbereiche ist die Mikrosystemtechnik, bei der verschiedene Komponenten, elektrische, mechanische und optische Techniken auf einem Chip integriert sind. |
Lösungs- orientiert |
Die Ingenieure und Naturwissenschaftler, die solche Aufgaben bearbeiten, müssen mit Mitarbeitern anderer Disziplinen, Kaufleuten und vor allem den Kunden zusammenarbeiten. Sie müssen betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse haben, sie sollten motivieren können und bei Problemen als Moderator auftreten. Die Kundenorientierung führt dazu, dass nicht nur High Tech-Produkte verlangt werden, sondern auch deren hohe Verfügbarkeit und Qualität sowie low-cost-Angebote. Deshalb muss der Ingenieur ein ausgeprägtes Termin-, Kosten- und Qualitätsbewusstsein mitbringen und sich zunehmend mit kaufmännischen Fragestellungen auseinandersetzen.
Auch die Öffentlichkeit wird durch ihre sich verändernden Maßstäbe zum "Kunden" für das Unternehmen. Diese Kunden fragen bei Produkten und Systemen (z.B. im Energiebereich) nach ihrer Umweltfreundlichkeit hinsichtlich Herstellung, Gebrauch und Entsorgung. Die Auswirkungen auf die Menschen und die gesamte Gesellschaft führen zu einer größeren Öffentlichkeit.
Beispiel: Biologische Wirkungen elektromagnetischer Felder. Zur hochfrequenten Mobil-Kommunikation hat der VDE viel beachtetete Stellungnahmen abgegeben. Dies zeigt, dass die Ingenieure auch in der Lage sein müssen, öffentliche Diskussionen mitzugestalten und sich den Auswirkungen der Technik für die Gesellschaft bewusst werden.
Ich komme zurück auf die zunehmende Bedeutung von Softwareaufgaben und auf das Verhältnis von Informationstechnik und Informatik; dieses ist ein Thema, das in der Öffentlichkeit m. E. nicht immer richtig dargestellt wird. Der wichtige und in seiner Bedeutung immer mehr zunehmende Bereich der Informationstechnik darf unserer Auffassung nach und entgegen der weitverbreitenden Meinung keinesfalls auf Computertechnik und Software d.h. auf die Informatik beschränkt werden. Die Informationstechnik umfasst mehr als die Informatik; sie realisiert informatische Prinzipien in konkreten technischen Geräten und Anlagen; und deren Weiterentwicklung ist ebenso wichtig wie die Entwicklung der Informatik. Software-Lösungen sind zu einem wichtigen Element von Industrieaufgaben und Dienstleistungen geworden. |
| Was ist IT? |
Zum IT-Bereich gehören zusätzlich die Kommunikationstechnik, Sensor- und Messtechnik, vor allem die Mikro- und Nanotechnik. Die Informationstechnik ist längst ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung zum Ingenieur der Elektrotechnik. Wie bereits dargestellt, spielt die intelligente Software in der Anwendung eine immer größere Rolle. Wir stellen fest, dass in der Industrie Ingenieure bevorzugt eingestellt werden, deren Informatik-Kenntnisse sich aus der Elektrotechnik heraus entwickelt haben. Der Grund liegt darin, dass die Ingenieure die Kenntnis der Anwendungen und das gesamte Systemwissen mitbringen. Unsere Gesellschaft braucht also zahlreiche Ingenieure, die in Elektrotechnik/Informationstechnik zu Hause sind, die freilich auch die Informatik als Handwerkszeug beherrschen müssen. Bei den aktuell immens großen Anfängerzahlen in den Informatik-Studiengängen ist zu erwarten, dass der Bedarf an Informatikern in naher Zukunft befriedigt werden kann, während im Gegensatz dazu in der Elektronik und in der Elektrotechnik einschließlich Informationstechnik wie auch in vielen anderen klassischen Ingenieurstudiengängen der Fachkräftemangel ständig zunimmt. 

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1.3 Integration technischer Disziplinen In einer aktuellen Erklärung empfiehlt deshalb der VDE eine zukunftsorientierte Arbeitsteilung an Hochschulen zwischen den Disziplinen Informationstechnik und Informatik - verbunden mit einer überzeugenden Aufklärungsarbeit bei Jugendlichen. Die derzeitige Forcierung der Informatik macht nur Sinn, wenn alle technischen Disziplinen, die Informatik einsetzen, ebenfalls parallel weiterentwickelt werden [4]. An vielen Hochschulen wird diese Zusammenarbeit der beiden Bereiche realisiert, z. B. über einen gemeinsamen Fachbereich Elektrotechnik und Informatik. Bei dieser Gelegenheit nenne ich die wichtigsten Kerngebiete der Elektrotechnik, die auch an den Hochschulen im Rahmen von Schwerpunkt-Studiengängen studiert werden können: Die Informationstechnik, die elektrische Energietechnik und die beiden großen Bereiche Mikroelektronik/Mikrosystemtechnik/Nanotechnik sowie der andere Bereich Mess-, Leit- und Automatisierungstechnik.
In der Industrie, aber in neuer Zeit auch an den Hochschulen, gibt es neben diesen Kernbereichen zahlreiche Schnittstellen zu anderen Disziplinen und Fakultäten. Denn in der Industrie und im gesamten Umfeld führen die Entwicklungen innerhalb der Technik zu weitgehenden und zunehmenden Integrationen, die sich besonders auf dem dynamischen Gebiet der Informationstechnik und Mikroelektronik/Mikrosystemtechnik durchsetzen. Auf diese Weise werden diese zu Schlüsseltechnologien mit enormer Schubkraft für andere Bereiche. |
Kern- und Querschnitts- gebiete |
Beispiel Energietechnik: Der Einsatz modernster Leistungselektronik mit Steuerungs-, Mess- und Regelungskomponenten ermöglicht erst die Nutzung der erneuerbaren Energien. Eine weitere zentrale Frage ist die Energiespeicherung in den zukünftigen Versorgungssystemen. Hier werden aus den Bereichen der Nano-Technologie und der supraleitenden Materialien neue Impulse kommen. Die moderne Energieelektronik und die Nutzung erneuerbarer Energien ergänzen unsere auf Großkraftwerken basierende Energieversorgung durch den Zusammenschluss von immer mehr dezentralen Kleinanlagen zu virtuellen Kraftwerken. Die Beherrschung dieser verteilten Systeme bedingt ein hohes Maß an fachübergreifendem Wissen und notwendiger Flexibilität. Besonders im liberalisierten Energiemarkt stellt die Verknüpfung von Technik, Betriebswirtschaft und Dienstleistung an Ingenieure hohe Anforderungen. Ein weiteres Beispiel für die zunehmende Integration früher getrennter Bereiche ist die Medizintechnik, die ohne Informationstechnik und Mikroelektronik heute undenkbar wäre. Dies sind nur einige Beispiele für den technischen Wandel, der durch eine zunehmende Durchdringung aller Bereiche und Branchen mit Informationstechnik, Software, Mikroelektronik und Nanotechnik gekennzeichnet ist.
Ingenieure und technische Informatiker sind in Branchen wie Elektrizitätswirtschaft, Maschinenbau, Automobilindustrie, Medizintechnik, Umwelttechnik, in der Unternehmensberatung, Luft- und Raumfahrt, aber auch bei Banken und Versicherungen tätig. Hinzu kommt eine verstärkte Vernetzung von Dienstleistungen - und der Unternehmen selbst. Das Internet oder andere Netze verbinden Anbieter, Zulieferer, Logistikpartner und Kunden. Zukünftig wird auch der Bereich elektronische Geschäftsabschlüsse oder E-Commerce an Bedeutung zunehmen, da hiermit nicht nur der Direktvertrieb, sondern eine flexiblere Zusammenarbeit aller Partner möglich wird.
Nach meiner Auffassung werden sich in der Industrie folgende Entwicklungen in den nächsten Jahren sogar noch beschleunigen:
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| Trends |
- Weitaus größerer Einfluss von Informationstechnik, Mikroelektronik sowie von internationaler Vernetzung in allen Bereichen und Geschäftsfeldern; überall werden die Computer verfügbar sein.
- Die "Systemintegration" nimmt zu, ebenso die Einbettung von Mini-Chips in Gegenstände des täglichen Lebens (einschließlich von Kleidung) oder von Kleinst-Computern in verschiedene Geräte und Systeme. Aufteilung der gewünschten Funktionen in Hard- und Software bis hin zum Ersatz von Hardware durch Software.
- Die Produktion wird zunehmend mit Dienstleistungen verzahnt - vom Engineering über Betrieb und Finanzierung bis hin zur Bereitstellung notwendiger Infrastruktur einschließlich Softwareleistungen und Beratungen beim Kunden.
Heute stellen Ingenieure der Elektro- und Informationstechnik in einer Firma wie Siemens mehr als 500.000 verschiedene Produkte her, wobei das Produktionsprogramm vom kleinsten elektronischen Bauelement über informations- und kommunikationstechnische Anlagen, Anwendungssoftware, Geräte und Systeme, elektrische Antriebe und Leistungselektronik bis zu schlüsselfertigen Anlagen der Verfahrens-, bzw. Kraftwerkstechnik und Leittechnik reicht. Die Entwicklung komplexer, vernetzter, informationsverarbeitender Systeme, sowie von Energieversorgungssystemen wird noch weiter zunehmen. Die beschriebene Durchdringung in den Anwendungsfeldern technischer und industrieller Entwicklungen führt bereits auch an den Hochschulen zu zahlreichen Querschnittsgebieten und interdisziplinären Studienrichtungen. Es ist sicher kein Zufall, dass sich diese Entwicklung vorrangig an den anwendungsorientierten Fachhochschulen vollzogen hat und sich weiter vollziehen wird. Diese Wechselwirkung soll im folgenden genauer beschrieben werden.
Zunehmende Bedeutung hat beispielsweise die Wechselwirkung von Elektrotechnik und Informationstechnik mit der Medizintechnik. Hier geht es darum, mit Methoden der Ingenieurwissenschaften Geräte, Systeme oder Software zur besseren Früherkennung, Vorbeugung, Behandlung und Überwachung von Krankheiten zu entwickeln. Die Schwerpunkte innerhalb der Medizintechnik sind Medizin-Gerätetechnik, medizinische Bio- und Gentechnik, radiologische Technik und bildgebende Verfahren. Anwendungsbeispiele sind die minimalinvasive Medizin, Telematik im Gesundheitswesen, Telemedizin oder die Simulation medizinischer Vorgänge, die digitale Bildverarbeitung, die Abbildung bioelektrischer Ströme auf dem Herzen usw.. In der Biotechnik ist Ingenieurarbeit vor allem in der verfahrensorientierten Biotechnologie zu suchen.
Ein Schnittstellenbereich, in dem Mechanik und Elektronik sowie Informationstechnik verbunden werden ist die Mechatronik, dabei werden das elektronische System und der mechanische Prozess von Anfang an als räumlich und funktionell integriertes Gesamtsystem in miniaturisierter Form konzipiert. Die Bedeutung der Mechatronik nimmt mit dem steigenden Bedarf an automatisierten Systemen und mit Fortschritten in der Mikrosystemtechnik zu.
Enge Verbindungen der Elektrotechnik bestehen seit jeher auch zur Gebäudetechnik (z.B. mit der elektrischen Stromversorgung, Heizung und der Ver- und Entsorgungstechnik sowie zur Gebäudesystemtechnik. Ingenieuraufgaben werden hier mit komplexen, über Bussysteme vernetzten Installationskomponenten gelöst; diese Aufgaben verlangen Kenntnisse und Fähigkeiten im Bereich des Projektmanagements und der Projektabwicklung. Die Anwendungsbereiche solcher Systemlösungen reichen von der Bauindustrie bis zum technischen Betrieb von Gebäudekomplexen. Der Anteil der Elektronik und der einer Wertschöpfung beim Auto beträgt bereits heute bis zu 30 %. Dies zeigt anschaulich die wachsende Bedeutung der Elektro- und Informationstechnik in der Fahrzeug- und Verkehrstechnik. Die Forderung an die Ökonomie und Ökologie von Fahrzeugen z. B. zum 1-Liter-Auto, lassen sich nur mit elektronischen Systemen verwirklichen. Entsprechend anspruchsvoll sind die Anforderungen an die Ingenieure, die über Basiswissen im Maschinenbau und Elektrotechnik sowie über interdisziplinäre Kenntnisse in Bereichen wie Fahrzeugelektronik, Fahrzeugbau oder Telematik verfügen müssen. 

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Breite Ausbildung |
1.4 Priorität: Grundlagenwissen Die Liste der interdisziplinären Schnittstellen der Elektro- und Informationstechnik ließe sich weiter fortsetzen. Weitere Stichpunkte sind die Multimedia-Techniken, die technische Informatik sowie der Bereich der Wirtschaftsingenieure, die ihr Studium z. B. innerhalb der Elektrotechnik fortsetzen. Diese Beispiele zeigen, wie facettenreich das Berufsbild von Ingenieuren der Elektro- u. Informationstechnik und entsprechender Studienrichtungen inzwischen geworden ist und wie eng die Wechselwirkungen zwischen den Veränderungen in der Industrie und den Reaktionen an den Hochschulen sind. Wir sind aber nicht der Meinung, dass jede Spektrallinie der späteren Berufsarbeit auch an den Hochschulen gelehrt und vermittelt werden muss. Vielmehr kommt einer soliden Erstausbildung mit einem fundierten fachlichen Grundlagenwissen die größte Bedeutung zu. Die Vermittlung methodischer und wissenschaftlicher Grundlagen ist wichtiger als reines Faktenwissen. Die Fähigkeit sollte im Vordergrund stehen, die Lösung eines Problems richtig anzugehen und mit den geeigneten Mitteln verfolgen zu können. Den Absolventen sollte bereits in der Ausbildung ein ganzheitliches Systemverständnis und der Anwendungsbezug vermittelt werden; das notwendige breite Qualifikationsprofil mit Schwerpunkt Problemlösungs-Fähigkeit wird aus Bild 3 deutlich. Ein Teil der erwarteten Fähigkeiten sollte bereits im Studium vermittelt werden, zusätzlich zu einem breiten Basiswissen und vertieftem Wissen in nur einem Hauptfach. Hinzu kommt die Vermittlung und Stärkung des fachlichen und methodischen Grundwissens und die Einübung von Problemlösungstechniken, z. B. durch Projekte innerhalb des Studiums. In diesem Zusammenhang legen wir von der Industrie und vom VDE großen Wert auf die Industrie-Praktika innerhalb des Studiums. Hier befinden wir uns auch in Übereinstimmung mit den Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Entwicklung der Fachhochschulen, wo beispielsweise klar gesagt wird, dass das Praxis-Semester zu einem obligatorischen Bestandteil aller Studiengänge zu machen ist. In den Ingenieurwissenschaften ist das nicht nur bereits der Fall sondern unbedingt erforderlich, auch bei den neuen konsekutiven Studiengängen. Hierauf komme ich später noch einmal zurück. 

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1.5 Schule und Technik Zur erwähnten Bedeutung des Grundlagenwissens gehören natürlich die mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundlagen. Innerhalb der Ausbildung an den Hochschulen beträgt der Anteil dieser mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundlagenfächer zwischen 20 und 30 % vom gesamten Lehrangebot. In dieser Situation haben die deutschen Schüler eine denkbar schlechte Ausgangsposition bei der Wahl technischer Studiengänge, weil bei den hohen Anforderungen, die ein solches Studium stellt, die Schüler durch Vernachlässigung naturwissenschaftlich-technischer Bildung an den Schulen mangelhaft vorbereitet sind. Nach einer aktuellen Umfrage des Hochschul-Informationssystems HIS beurteilt nur jeder dritte Studienanfänger die Studienberechtigung als ausreichende Befähigung zum Studium. In den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen übersteigt der Anteil der Studierenden, die ihren Vorbereitungsstand als defizitär einschätzen, deutlich das allgemeine Mittel. Letzter Beweis für diesen bedenklichen Zustand sind die Ergebnisse der PISA-Studien, die Ihnen allen bekannt sind. Nach unserer Auffassung haben Bund und Länder hier die Pflicht, gemeinsam Reformen durchzusetzen. |
Technik- bildung |
Nach Untersuchungen des deutschen Vereins zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts ist jedoch bei den Physik-Leistungskursen ein Rückgang der Teilnehmerzahlen zu verzeichnen. Immer häufiger müssen sich die Schulen mit sogenannten "Huckepack-Kursen", eine Kombination aus Leistungskurs und Grundkurs behelfen oder das Angebot von Physik-Leistungskursen durch Kooperation mit anderen Schulen aufrecht erhalten. In rund 9 % z. B. der niedersächsischen Schulen existieren gar keine Leistungskurse im Fach Physik. An fehlendem Interesse oder mangelnder Technikakzeptanz kann der Rückgang auch bei den Studienanfängerzahlen in unserem Bereich nicht liegen. Eine repräsentative VDE-Studie zeigt aktuell, dass 62 % der Jugendlichen bis 34 Jahren eindeutig für die Entwicklung neuer Technologien sind. Nach anderen Untersuchungen z. B. der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg spielen die reinen Karrieremöglichkeiten bei einer großen Zahl von Jugendlichen nicht mehr die dominierende Rolle. Insofern stößt eine Werbung, die allein mit Karriere argumentiert, auf taube Ohren. Deshalb glaube ich auch nicht, dass die Entlassungen in der Großindustrie, darunter auch in der Elektroindustrie der letzten Zeit hier allein verantwortlich für die geringe Resonanz der Ingenieurwissenschaften bei den Abiturienten war und ist. Offenbar haben sich die Wertvorstellungen Jugendlicher verschoben. Zu den Argumenten, die bei der Studienwahl positiv aufgenommen werden, gehören nach diesen Untersuchungen mehr "weiche Faktoren" wie die Erfüllung persönlicher Interessen, die Selbstverwirklichung, die Kreativität und der Wunsch, dass der Beruf "interessant ist" und "Spaß macht". Letzterer Aspekt wird von den Schülern nicht in Verbindung mit dem Ingenieurstudium gebracht. Ich möchte die Frage an Sie richten: Was kann am Studium verändert werden, damit es auch etwas mehr Spaß macht? Zur Verstärkung der technischen Bildung als Grundkompetenz und Bestandteil eines zukunftsorientierten Bildungsstandards hat der VDE aktuelle Empfehlungen erarbeitet [8]. 

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"Spaß"-Faktor |
1.6 Ingenieur-Image Es ist für die Industrie und für die Hochschulen nach meiner Auffassung unbedingt erforderlich, eine Übereinstimmung des Images eines Ingenieurs mit seiner tatsächlichen Berufsarbeit herbeizuführen. Denn dort finden die Jugendlichen mehrheitlich genau die Merkmale, die für sie bei der Studienwahl wichtig sind, nämlich die Arbeit mit Menschen, die Möglichkeit, als Manager später selbst Entscheidungen zu treffen, Menschen anzuleiten oder die Tatsache, nicht nur kreative Arbeit zu leisten, sondern für die Gesellschaft auch nützliche Anwendungen und Dienste bereitzustellen. Diese sozialen und gesellschaftlichen Aspekte, die nach den Untersuchungen für die Jugendlichen wichtig sind, unterstellt man kaum den Ingenieuren, sondern hauptsächlich den Medizinern, Rechtsanwälten, Sozialarbeitern, aber auch den Betriebswirten und Wirtschaftsingenieuren.
Auch die Medien verstärken m. E. die entstandene Schieflage. Zwar werden lauter chice Geräte beschrieben, nicht aber die Arbeit, die zu ihrer Entstehung führt. Die rauhe Seite bleibt unsichtbar - gezeigt wird nur die glatte Seite. Das unterstützt die Massensuggestion, die technische Welt sei eine einzige Leichtigkeit; ein Raum in dem das Wissen per Mouseklick gewonnen wird, wo Mobilität anstandslos und die Kommunikation immer reibungslos von statten gehen und der elektrische Strom mit der gleichen Selbstverständlichkeit zur Verfügung steht wie die Luft zum Atmen. Verloren geht das Bewusstsein, dass Technik etwas mit Leistung und Anstrengung zu tun hat und dass in dieser Anstrengung, wenn die Konstruktion und die Ingenieurarbeit am Ende erfolgreich sind, der eigentliche Spaßfaktor liegt. Denn Spaß muss es ja den Jugendlichen ohnehin machen - aber Freude ist ja auch schon etwas. Man kann z. B. auch Freude am Erkenntnisfortschritt haben; das Gelernte mit dem Gewussten rückkoppeln zu können, Zusammenhänge zu begreifen und daraus neue Ideen zu entwickeln. Diese Argumentation und diese Auffassung sollten wir gemeinsam den Jugendlichen übermitteln, vielleicht sogar, indem wir Techniker mit solchen Argumenten und Beispielen unserer Berufsarbeit in die Schulen gehen. Und dies geschieht ja bereits vielfach. Beispielsweise setzt unser Verband VDE auf aktive und praktische Technikvermittlung u. a. mit einer bislang wohl einzigartigen Aktion "Invent a Chip". 1.200 Schüler haben daran teilgenommen. Über 90 innovative Ideen für den Mikrochip der Zukunft wurden eingereicht. 10 Schüler-Teams haben die Chance, ihre Chip-Idee bis zum fertigen Produkt zu realisieren. Das Spektrum der von den Schülern vorgeschlageneren Chip-Entwicklungen ist sehr groß; die Jugendlichen beweisen mit ihren Ideen gesellschaftliches Problembewusstsein, wie z. B. im Bereich Medizin: Hilfssysteme für Sehbehinderte, Gelähmte, Diabetiker oder Risikopatienten, Ernährungsratgeber oder andere Beispiele. Der Erfolg dieser Aktion ist ein Beispiel dafür, dass es hauptsächlich auf das "wie" ankommt, die Fühler entsprechend auszustrecken und zu motivieren.
Aber es kommt nach meinem Dafürhalten auch noch auf etwas anderes an: Im gesamten Bildungssystem müssen junge Menschen, aber auch die Nachwuchswissenschaftler ein Klima vorfinden, das die Freude an der Leistung fördert sowie Technik- und Innovationsfreundlichkeit vermittelt. Nur so gelingt es, das Exportgut Innovation abzusichern und für die Zukunft gerüstet zu sein.
Nur wenn wir den Mathematik- und Physikunterricht an den Schulen quantitativ und qualitativ optimieren, kann sich Deutschland im internationalen Wettbewerberfeld der Elektro- und Informationstechnik aber auch bei den anderen Ingenieurwissenschaften behaupten. Der bisherige Verlauf der Diskussion zur PISA-Studie gibt allerdings wenig Anlass zur Hoffnung, dass die Zeichen der Zeit wirklich erkannt worden sind, dass klare Konsequenzen gezogen werden, dass - anstelle von PR - fundierte und konzertierte Aktionen folgen. Wo bleibt da unsere Verantwortung für die Jugend? Wo unser Einsatz für die optimale Ausbildung? Viel Zeit bleibt nicht. Entscheidend ist, dass wir dem technisch-wissenschaftlichen Nachwuchs jetzt schnell und ohne politisches Wenn und Aber die bestmögliche Startposition im globalen Wissens- und Innovations-Wettbewerb verschaffen. So positiv es ist, dass die Green-Card-Diskussion das Problem des Mangels an Fachkräften ins öffentliche Bewusstsein gerückt hat: Wir brauchen eine ausreichend breite und kompetente Basis im eigenen Haus, und das geht nur mit Augenmaß, Weitblick und System in der Nachwuchsarbeit. 

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Mehrheit FH-Ingenieure |
2 Die Diplom-Studiengänge Ein gutes Zeichen für eine gewisse Besserung bei den Studienanfängern ist der Anstieg der Anfängerzahlen seit 1997; Bild 4 (3 Dateien, zip). Auf dem Arbeitsmarkt wird sich diese Entwicklung jedoch erst in einigen Jahren auswirken. Den Tiefpunkt der Absolventen erwartete der VDE mit 6.500 Absolventen im Jahr 2002. Diesem Angebot steht nach Schätzungen des Verbandes ein Mindestbedarf von etwa 13.000 Absolventen pro Jahr gegenüber. In der Informatik wurden die Spitzenwerte des Vorjahres verfehlt; die Studienanfängerzahlen sind aber mehr als doppelt so hoch wie in der Elektro- und Informationstechnik. Die Ingenieurlücke kann jedoch nicht durch den Informatiker kompensiert werden. Wie ich bereits ausführte, sind die technischen und beruflichen Schwerpunkte, die Aufgaben- und Einsatzbereiche zu unterschiedlich. Etwas anders sieht es mit der Studienrichtung Technische Informatik aus, hier gibt es bereits eine Reihe von Zusammenarbeiten bis hin zur Integration in den gemeinsamen Fachbereichen Elektrotechnik und Informatik. Die Folien nach Bild 4 (3 Dateien, zip) zeigen auch die quantitativen Unterschiede zwischen den Absolventen der Fachhochschulen und der Universitäten. Viel zu wenig wird in den Diskussionen berücksichtigt, dass die Mehrheit der Absolventen in den Ingenieurwissenschaften von den Fachhochschulen kommen. In den Ingenieurwissenschaften generell sind es etwa 60 %; in der Elektrotechnik/Informationstechnik etwa zwei Drittel. Die Industrie honoriert und fördert diese Tendenz, da hauptsächlich Ingenieure gesucht werden, die sich schnell in die Berufspraxis einarbeiten können. Dabei können die Absolventen aller Hochschultypen in ähnlichen Tätigkeitsbereichen eingesetzt werden, wobei es nach einigen Jahren Berufsarbeit für die weitere Entwicklung und Karriere, und damit auch für das Einkommen nebensächlich wird, welcher Hochschultyp absolviert wurde. In der Praxis sieht das so aus, dass nach etwa 2 Jahren die Fachhochschul- und Universitätsabsolventen etwa genau so viel verdienen können, selbst wenn die Einstiegsgehälter bei den Universitäts-Absolventen zunächst etwas höher sind. 

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2.1 Profile der Hochschulen Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf die unterschiedlichen Profile von Universitäten und Fachhochschulen zu sprechen kommen. Dies ist nach meiner Auffassung deshalb wichtig, weil in der letzten Zeit Tendenzen erkennbar werden, durch strukturelle Vorgaben die charakteristischen und unterschiedlichen Ausbildungsprofile von Universitäten und Fachhochschulen zu verwässern. Diplomingenieure der Elektrotechnik und Informationstechnik nehmen ein breites Aufgabenspektrum wahr, das von Forschung und Entwicklung über Fertigung, Projektierung, Vertrieb und Service bis hin zu Einsatz, Betrieb und Prüfung komplexer Systeme und Anlagen reicht und ein großes Spektrum von Dienstleistungsfunktionen einbezieht. Das breite Spektrum berufliche Anforderungen an Ingenieure wird durch zwei Ausbildungsprofile abgedeckt, die beide auf die Anforderungen der beruflichen Praxis zugeschnitten sind, und von praxiserfahrenen Hochschullehren vermittelt werden. Diese Profile unterscheiden sich jedoch durch unterschiedliche Betonung von Wissenschafts- und Forschungsbezug einerseits und des Anwendungs- und Praxisbezugs andererseits. Mit dieser Aufgabenteilung ist die Industrie bisher gut gefahren; sie zeichnet die hohe Qualität der Ingenieurausbildung auch im Vergleich zum Ausland aus. |
| Forschung |
Das an Technischen Hochschulen und Universitätenvermittelte Profil betont unter Einbeziehung praktischer Anwendungen den Wissenschafts- und Forschungsbezug. Es soll die Studierenden bei starker wissenschaftlicher Durchdringung zur Erforschung von Phänomenen und zur Entwicklung neuer wissenschaftlicher Grundlagen, Methoden und Werkzeuge befähigen. Das heißt im Klartext, dass diese Absolventen in der Lage sind, das bestehende Wissen weiterzuentwickeln. Durch enge Forschungskooperationen mit der Industrie gibt es einen bedeutenden Anwendungsbezug. Das heißt, die Ausbildung betont unter Einbeziehung praktischer Anwendungen den Wissenschafts- und Forschungsbezug mit hoher Eigenverantwortung der Studierenden für den Ablauf des Studiums; diesen Ausbildungsgang kann man als forschungsorientiertes Profil bezeichnen. Breite Grundlagen und eine große Palette an Wahlmöglichkeiten für die Vertiefung sind Hauptmerkmale des Studiums vor allem in der Elektrotechnik und Informationstechnik, das an 32 deutschen Universitäten und Technischen Hochschulen absolviert werden kann. Die Integration von Industriepraktika innerhalb der Studienzeit sorgen zusätzlich für einen notwendigen Anwendungsbezug. Der Umfang beträgt 26 Wochen im Studium, wobei im allgemeinen 6 bis 8 Wochen Grundpraktika und 18 Wochen Fachpraktika studienbegleitend während der Semesterferien abzuleisten sind.
Der Bildungsauftrag der Fachhochschulen zielt auf praxisorientierte Studienangebote, die auf eine wissenschaftlich fundierte Qualifizierung für verschiedene berufliche Tätigkeitsfelder ausgerichtet sind. Um es knapp zu formulieren: Während die Uni-Absolventen wie oben dargestellt, das bestehende Wissen weiterzuentwickeln haben, zielen die Studiengänge an Fachhochschulen darauf ab, den Studenten gesichertes Wissen zu vermitteln, damit sie es anwenden können. Das Studium soll die Studierenden zum Einsatz und zur Fortentwicklung bewährter Methoden, Verfahren und Technologien bei der Entwicklung, Fertigung und beim Vertrieb technischer Produkte und Systeme befähigen und die Adaption und Anwendung wissenschaftlicher Ergebnisse bei der praktischen Problemlösung ermöglichen; deshalb sprechen wir von einem anwendungsorientierten Profil der Fachhochschulen. In die Studienzeit sind je nach Bundesland zumeist ein Praxissemester integriert - in Bayern und Baden-Württemberg 2 Semester. Bei nur einem Praxissemester wird dieses im Hauptstudium je nach Studienordnung zu verschiedenen Zeitpunkten absolviert; in vielen Fällen im 5. oder 6. Semester. Das Vorpraktikum kann bis zu 13 Wochen umfassen; viele Fachhochschulen verzichten hierauf. Neben der zunehmenden beruflichen Vorbildung der Studierenden deutet dies darauf hin, dass die Fachhochschulen als länderspezifische und auch auf die Industrie in der Region ausgerichtete Einrichtung mit dieser regionalen Orientierung eine große Vielfalt aufweisen - sowohl bei den Studiengängen als auch bei der Struktur des Studiums. Mit letzterem ist gemeint, dass wir an den Fachhochschulen eine große Anzahl der oben erläuterten Querschnittsgebieten als Studienrichtung finden. Ingesamt bedeutet dies, dass mit 115 Fachhochschulen mit elektrotechnischen Fachbereichen nicht nur die Zahl der Fachhochschulen und die Zahl der Absolventen größer ist als bei den universitären Hochschulen, sondern auch die Vielfalt der angebotenen Studienmöglichkeiten. Ungeachtet einer speziellen Ausbildung gilt jedoch die bereits oben betonte Notwendigkeit, dass für eine dauerhafte Beschäftigung der Absolventen in der Berufsarbeit ein breites Wissen vor allem der Grundlagen notwendig ist, verbunden mit der Fähigkeit, sich stets neu einzuarbeiten und lebenslang zu lernen. Ich betone noch einmal: Während früher noch eine große Vielfalt von Spezialausbildungen und von Spezialwissen gefragt war, dominiert heute aus der Sicht der Berufswelt die Integration und interdisziplinäres Arbeiten. Über die fachlichen Aspekte hinaus müssen Ingenieure in der Lage sein, auch wirtschaftliche, soziale und ökologische Aspekte bei ihrer Arbeit zu berücksichtigen. Bei einem Vergleich des Lehrangebotes für beide Hochschultypen kommt die Betonung des breiten Grundlagenwissens durch folgende Struktur des Lehrangebotes zum Ausdruck; der VDE hat in einem Papier "Anforderungen an ein Studium der Elektrotechnik" die Empfehlungen nach folgender Tabelle veröffentlicht:
| Struktur des Lehrangebots |
Forschungs-orientiertes Profil (TH/U) |
Anwendungs-orientiertes Profil (FH) |
Mathematisch-naturwissenschaftliche Grundlagen (Mathematik/Physik/Informatik) |
30 % |
20 % |
Elektrotechnische Grundlagen und Grundlagen benachbarter Gebiete (Inhalte aus den Fachgebieten Elektrotechnik/Technische Mechanik/Werkstofftechnik/Konstruktion/Fertigungstechnik) |
35 - 40 % |
20 - 30 % |
| Elektrotechnische Anwendungen |
25 - 30 % |
40 - 50 % |
| Nichttechnisches Wissen |
5 - 10 % |
5 - 10 % | |
Laborpraktika und Übungen sollen einen Mindestanteil von 25 % an der Summe der Lehrveranstaltungen umfassen. Der Anteil der Wahlpflichtfächer sollte beim forschungsorientierten Profil (Universitäten) etwa 25 % und beim anwendungsorientierten Profil (Fachhochschulen) nach erfolgter Wahl des Studienschwerpunktes etwa 10 % betragen [5].
Die wichtigsten Tätigkeitsfelder der Absolventen in Großbetrieben sind in Bild5 dargestellt, grob unterschieden nach den Ausbildungsstätten Universität oder Fachhochschule. Bei Fachhochschul-Absolventen liegen die Tätigkeitsfelder wie man sieht, bevorzugt im anwendungsorientierten Bereich. Für Universitäts-Absolventen sind wissenschafts- und forschungsorientierte Tätigkeiten typisch. |
| Lücke für BA's |
Es sollte zusätzlich erwähnt werden, dass es in der Berufswelt eine weitere Ausbildungsstätte des tertiären Bildungsbereichs gibt, die ebenfalls von der Industrie angenommen wurde. Es handelt sich um die Berufsakademien, die sich in einigen Bundesländern - aber nicht in allen - etabliert haben. Im Vergleich zu dem oben erwähnten breiten Ausbildungsansatz der Universitäten und Fachhochschulen handelt es sich bei den Berufsakademien um eine enge Verflechtung von betrieblicher Ausbildung und Studium. Hierbei werden die theoretischen Studienanteile von der Studienakademie vermittelt und die praktische Ausbildung im betreffenden Betrieb, mit dem der Studierende einen Ausbildungsvertrag abschließen muss. Das Besondere liegt darin, dass die Studierenden als Betriebsangehörige das firmeneigene Umfeld kennenlernen und nach ihrem Abschluss nahezu übergangslos im Beruf - und hauptsächlich im gewählten Ausbildungsbetrieb arbeiten können. Die Bewerbung um einen Studienplatz muss an die Firma gerichtet werden. Der Vorteil liegt darin, dass die Ausbildung von Ingenieuren an Berufsakademien drei Jahre dauert; die Abschlussbezeichnung ist Dipl.-Ing. (BA). Ich erwähne die Berufakademien nicht nur der Vollständigkeit halber, sondern auch deshalb, weil bei den bereits erwähnten strukturellen Verschiebungen im Hochschulwesen die Gefahr nicht auszuschließen ist, dass die von mir deutlich formulierten unterschiedlichen Profile von Fachhochschulen und Universitäten gegebenenfalls nivelliert werden können, so dass die Attraktivität der Berufsakademien unter diesen Randbedingungen zunimmt - nicht nur wegen der kurzen Ausbildungszeit von 3 Jahren, sondern wegen des ausgesprochen starken Anwendungsbezuges der Ausbildung, den einige Fachhochschulen offenbar aufgeben wollen. 

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2.2 Qualitätssicherung der Ausbildung Es wurde bereits oft betont, dass das deutsche Diplom auch international eine hohe Ausbildungsqualität darstellt nicht nur bezüglich der ingenieurwissenschaftlichen Kenntnisse, sondern auch hinsichtlich der Hinführung zur Selbständigkeit und der Berufsbefähigung. Wie wird diese hohe Ausbildungsqualität bisher gesichert? Ein relativ einheitliches und vergleichbares Niveau der Ausbildung wird erreicht durch ein System von Regulierungen und Genehmigungen der Studiengänge seitens der Landes-Kultusministerien, durch eine landesbezogene Prüfungsordnung, der eine KMK-Rahmenprüfungsordnung zugrunde liegt sowie auf der anderen Seite durch die Mitarbeit bei diesen landesspezifischen Ordnungen seitens der Fakultätentage und der Fachbereichstage, wobei hier wiederum die technisch-wissenschaftlichen Verbände wie der VDE aktiv mitwirken. Beispielsweise sind im VDE-Ausschuss "Ingenieurausbildung" die Vorsitzenden des Fakultätentages und des Fachbereichstages Elektrotechnik und Informationstechnik vertreten; die entsprechenden Stellungnahmen zur Qualität der Ausbildung werden miteinander diskutiert. Ebenso gibt es Gesprächskreise mit dem entsprechenden Industrieverband ZVEI. Dies ist zugegebenermaßen ein kompliziertes Verfahren; Sie sehen aber, dass auch bisher schon eine sehr starke Zusammenarbeit und eine Diskussionsplattform zwischen der Industrie und den Hochschulen existiert. Die Frage ist, ob durch das Entlassen der Hochschulen in die sogenannte Selbständigkeit die Qualitätssicherung vereinfacht und verbessert wird oder nicht. Hierauf komme ich bei der Diskussion um die neuen gestuften Abschlüsse noch zu sprechen. 

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3 Konsekutive Studiengänge
3.1 Bachelor und Master Zunächst möchte ich aus meiner Sicht die Studiengänge, die zum Bachelor und Master führen, kurz vorstellen. Die neuen Abschlüsse tragen den Erfordernissen nach einer stärkeren Internationalisierung des Studiums, nach Transparenz und Kompatibilität der Abschlüsse mit den angelsächsischen Abschlüssen Rechnung, die mittlerweile zum internationalen Standard geworden sind. Außerdem ist hier die europäische Entwicklung in der Politik mit der Bologna-Erklärung zu berücksichtigen, wodurch die Schaffung eines "europäischen Hochschulraums" bis 2010 eingeleitet wurde. Die zweistufige Struktur des Studiums bietet eine vergrößerte Flexibilität und Mobilität für die Studierenden. Bachelor-Absolventen wird auch die Chance gegeben, die Hochschule nach dem ersten berufsqualifizierenden Abschluss zunächst zu verlassen und das Master-Studium später aufzunehmen. Dieses Master-Studium kann sowohl als Vollzeit-Studium als auch berufsbegleitend absolviert werden. Es besteht auch die Möglichkeit, das Master-Studium in einer anderen Fachdisziplin oder an einer anderen Hochschule aufzunehmen, z. B. nach dem Ingenieur-Studium den MBA-Abschluss zu erwerben. |
| Flexibilität |
Auch aus Sicht der Industrie, die diese neue Strukturen befürwortet, wird der große Vorteil in einer höheren Flexibilität gesehen. Die konsekutiven Studiengänge zum Bachelor und Master können eine neue Abfolge von Ausbildungs-, Berufs- und weiteren Bildungsabschnitten ermöglichen. Hierzu zählen auch Studienangebote der Hochschulen, die Studium und Berufstätigkeit bzw. Praxisaufenthalte in neuer Form miteinander verknüpfen - z.B. nach dem Muster existierender dualer Fachhochschul-Studiengänge, eines berufsbegleitenden Master-Studiums oder einer Kombination von Fern- und Präsenzstudien. Auf diese Weise können die Studierenden durch Wahl der geeigneten Studienphase auf eine flexible Anpassung an die jeweilige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt vornehmen, so dass sich eine größere Unabhängigkeit von der jeweiligen Situation am Arbeitsmarkt ergeben kann. Eine neue Form der Kombination von akademischer Ausbildung mit beruflicher Fortbildung zeichnet sich ab. Soweit die Theorie; auf die damit verbundenen Probleme werde ich später eingehen.
Zunächst eine Zahl: Im letzten Jahr gab es in Deutschland über alle Fachdisziplinen hinweg mehr als 1.100 Studienangebote mit den konsekutiven Abschlüssen; über ein Drittel kommen aus dem Bereich der Ingenieurwissenschaften. Die Industrie, und hier auch die Verbände der Elektroindustrie und des Maschinenbaus unterstützen diese neuen Formen, schon wegen der Globalisierungsanstrengungen in der Industrie. Je nach Bundesland unterscheiden sich die Struktur und Inhalte der neuen Studiengänge im Bereich Elektro- und Informationstechnik. Nach unserer Auffassung ist eine Aussage zum Stellenwert des Masters für die Industrie insofern einfach, als bei einem fünfjährigen Studium kein wesentlicher Unterschied zum Dipl.-Ing. eine Universität vorliegt. Entscheidend ist vielmehr, mit welcher Qualifikation der vorausgesetzte Bachelor in das Master-Studium oder in das Berufsleben eintritt. Notwendig ist, dass beim Bachelor-Studiengang neben den wichtigen mathematisch-technischen Grundlagen anwendungsorientiertes Ingenieurwissen vermittelt wird, das im Master-Studium vertieft wird.
Wir legen weiterhin Wert auf ein Industrie-Praktikum sowie auf das Einüben von Schlüsselqualifikationen, Problemorientierung und vor allem Methoden der Projektarbeit. Denn zusätzlich zu den fachlichen Fähigkeiten bedarf es verstärkt überfachlicher Kompetenzen der Bachelor-Absolventen, damit diese berufsbefähigt arbeiten können und den relativ schnell veränderten Qualifikationsanforderungen in der Wirtschaft gewachsen sind. Der VDE hat Leitlinien der Gestaltung der konsekutiven Studiengänge herausgegeben und hierbei zur Erhaltung und Weiterentwicklung der Qualität bei den neuen Abschlüssen die Struktur des Lehrangebotes nach Bild 6 empfohlen. |
Berufs- befähigung |
Sie erkennen hieran die oben vielfach betonte Notwendigkeit einer soliden Grundausbildung einschließlich der Informatik-Kenntnisse, der Schlüsselqualifikationen mit Projektarbeiten sowie die Vertiefung, die nach unserer Auffassung allerdings auf ein Vertiefungsfach im Hauptstudium beschränkt werden solle [6]. Wir wenden uns also gegen eine vielfach noch anzutreffende Überzahl von Disziplinen und eine Zersplitterung in einzelne Fachbereiche. Stattdessen befürworten wir im Zusammenhang mit den neuen gestuften Abschlüssen den Modul-Charakter der Ausbildung, wobei der Studierende durch bestimmte gewählte Module die Schwerpunkte seine Ausbildung wählen kann. Der Bachelor-Abschluss ist nicht nur die Schnittstelle zum Weiterstudium im Master-Studiengang, sondern soll als Erstausbildung auch bereits berufsbefähigend sein. Der Bachelor, der beispielsweise von einer Fachhochschule kommt, soll in der Lage sein, komplexe Systeme schnell und in Zusammenarbeit mit anderen Partnern zu konfigurieren, auf den Markt zu bringen, zu vertreiben und die notwendigen Dienstleistungen hierfür in Zusammenarbeit mit den Kunden zu erbringen. Da die Berufsbefähigung der Bachelor-Absolventen im Mittelpunkt steht, müssen nach unserer Auffassung Praxisphasen in diesen Studiengang unbedingt integriert werden. Wenn für diese Praxisanteile ein ganzes Semester vorgesehen ist, was wir befürworten würden, wird sich eine Studienzeit von 7 Semestern für einen Bachelor der Elektro- und Informationstechnik ergeben. Ich betone das deshalb so eindringlich, weil von Länderseite Bestrebungen bekannt sind, das Bachelor-Studium unbedingt auf 6 Semester zu verkürzen. Nach unserer Auffassung sollten die neuen Studiengänge aber nicht dazu führen, mit dem Bachelor ein Kurzstudium mit verringertem Qualitätsniveau der Absolventen einzuführen. Der kontinuierliche Anstieg der Studiendauer - z.B. bei den Fachhochschulen auf über 5 Jahre zum Diplom ist sicherlich bedenklich. Die angestrebte Verkürzung der Studiendauer darf jedoch nach unserer Auffassung nicht Selbstzweck sein. Entscheidend sind die Ziele der Ausbildung, und hierbei ist als eines der wichtigsten Ziele die Erhaltung der Innovationsfähigkeit unseres Landes mit weiterhin gut ausgebildeten Absolventen unserer Hochschulen.
Ich habe bisher hauptsächlich vor den Bachelor-Absolventen gesprochen, da diese für unsere Hochschulen neu sind. Wenn der Bachelor-Absolvent das Studium in der gleichen Fachrichtung zum Master fortsetzt, ergibt sich eine Regelstudienzeit von 10 Semestern und auch hier ebenso wie bei einer Bachelor-Ausbildung mit 7 Semestern eine Verkürzung des Studiums im Vergleich zur jetzigen realen Situation der Durchschnitts-Studiendauer. Konsekutive Master-Studiengänge sollen die Studierenden vorrangig auf Aufgaben in der Forschung und Entwicklung vorbereiten. Mit dieser Zielrichtung befinden wir uns in Übereinstimmung mit dem Wissenschaftsrat, der sich in einer früheren Empfehlung dafür ausgesprochen hat, dass auch Universitäten Studiengänge einrichten, die zwischen solchen Angeboten differenzieren, die primär auf den Erwerb von Forschungsbefähigung ausgerichtet sind und solchen die einen stärkeren Praxisbezug aufweisen und damit den Wünschen und Erwartungen der Mehrzahl der Studierenden entsprechen. Die Abschlussbezeichnungen können eine stärkere Forschungsorientierung ausdrücken, z. B. "Master of Science", oder eine größere Anwendungsorientierung, z. B. "Master of Engineering".
Ich möchte zwei Dinge herausheben:
- In Übereinstimmung mit der Situation in den USA dient das Studium zum Master of Science der weiterführenden wissenschaftlichen Ausbildung bis hin zur selbständigen Erledigung von Forschungsarbeiten.
- Die neuen Studienabschlüsse werden sowohl von Universitäten als auch von Fachhochschulen angeboten. Der VDE legt Wert darauf, dass sich die Bezeichnungen für den Abschlussgrad bei akkreditierten Studiengängen nicht nach dem Hochschultyp, sondern ausschließlich nach dem Qualifikationsniveau und -profil der Studiengänge orientieren. Auch hiermit befinden wir uns in Übereinstimmung mit früheren Empfehlungen des Wissenschaftsrates. Wir sind auch hinsichtlich der Einbeziehung in den öffentlichen Dienst eindeutig für eine Gleichbehandlung von Absolventen beider Hochschultypen.
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| Politik halbherzig |
Die Qualitätssicherung dieser neuen Studiengänge wird erreicht durch ein System der Akkreditierung. Im Bereich der Elektrotechnik- und Informationstechnik wird diese Akkreditierung beispielsweise von der Agentur "Akkreditierungsagentur für Studiengänge der Ingenieurwissenschaften, der Informatik, der Naturwissenschaften und der Mathematik" vorgenommen. Hier wurden verschiedene Fachausschüsse gebildet, darunter ein Fachausschuss für Elektrotechnik und Informationstechnik, wo die Mindestkriterien für die Akkreditierung der entsprechenden Studiengänge erarbeitet wurden. Eine Reihe von entsprechenden Studiengängen sind bereits evaluiert und akkreditiert worden. Die Verbände VDE und ZVEI sind in den entsprechenden Gremien dieser Agentur vertreten; auch hieran ist die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft und den entsprechenden Gremien, die die strukturellen Veränderungen in der Ingenieurausbildung betreiben, erkennbar. Die ersten Erfahrungen bei der Akkreditierung sind von geteilter Natur. Positiv ist zu bewerten, dass die eingeführten Evaluierungs- und Akkreditierungsmaßnahmen für die Hochschulen und die Fachbereiche selbst ein geeignetes Instrument sind, sich Ziele vorzugeben, sich messen zu lassen, sich ständig zu verbessern und Rechenschaft über die erreichten Verbesserungen abzulegen. Auf der anderen Seite ist festzustellen, dass nicht nur ein hoher finanzieller sondern ein relativ hoher bürokratischer Aufwand zu leisten ist. Dieser scheint nach meiner Auffassung dann problematisch zu sein, wenn die Mindestkriterien ohnehin von den Hochschulen mühelos erreicht werden. Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Hochschulen in die sogenannte Selbständigkeit und in den Wettbewerb nur halbherzig von den Ministerien entlassen wurden. Es gibt bei der Akkreditierung beispielsweise einen Wettbewerb der verschiedenen Akkreditierungsagenturen mit Vorteilen solcher Agenturen, die staatlich gestützt werden, wodurch es für diese Agenturen hinsichtlich der Entgelte zu einem Wettbewerbsvorteil kommt. 

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Mittel erhöhen |
3.2 Diskrepanzen und Herausforderungen Zusätzlich ist folgende ernst zu nehmende Tendenz zu erkennen: Einerseits werden von der ministeriellen Seite Elemente des Wettbewerbs eingefordert und von den Hochschulen auch eingeführt - ein Wettbewerb indessen, der die alten Rivalitäten zwischen Fachhochschulen und Universitäten wieder betont; andererseits wird wieder deutlich reglementiert: Die Reformen werden unter dem Vorzeichen der Kostenneutralität vollzogen, so dass z. B. das Land Nordrhein-Westfalen keine Parallelität zwischen den traditionellen Diplom-Studiengängen und den neuen konsekutiven Studiengängen mehr zulässt. Der ursprüngliche Pilot-Charakter dieser Studiengänge und das seinerzeit propagierte Prinzip des Wettbewerbs wird auf diese Weise bereits entschieden. Ähnliche Aussagen sind bei der Ausstattung der Fachbereiche Elektrotechnik und Informationstechnik an Hochschulen notwendig, und dies sowohl bei den Universitäten als auch bei den Fachhochschulen. Nach Auffassung des VDE, der hierzu eine Stellungnahme abgegeben hat [4], bestehen erhebliche Diskrepanzen zwischen den politischen Absichten, den erkannten notwendigen Maßnahmen einerseits und auf der anderen Seite der Umsetzung dieser Maßnahmen. Die Besorgnis entsteht vor allem dadurch, weil die Instrumente des Globalhaushaltes und der formelgebundenen Mittelzuweisung in Verbindung mit der Selbstverwaltung der Hochschulen die Gefahr hochschulinterner Mittelumverteilung nach ausschließlich kurzfristigen betriebswirtschaftlichen Kriterien in sich bergen, beispielsweise in Phasen niedriger Studentenzahlen. Sobald die Ressourcen in den Fachbereichen aber erst einmal abgebaut sind, ist ein Neubeginn schwer möglich. Der VDE spricht sich deshalb dafür aus, als Parameter für die Mittelzuweisungen seitens der Ministerien oder für die hochschulinterne Umverteilung von Sach- und Personalmitteln die langfristige volkswirtschaftliche Bedeutung der technischen Fachdisziplin stärker als bisher zu berücksichtigen. Im Zusammenhang mit den gerade diskutierten neuen konsekutiven Studiengängen und der Betreuung auch von ausländischen Studierenden sowie einer fachübergreifenden Ausbildung müssten die entsprechenden Mittel sogar erhöht werden; das Gegenteil ist der Fall. Die Folge ist, dass die Hochschulgremien autonome Entscheidungen treffen, die wissenschaftsimmanenten Kriterien nicht standhalten und stattdessen z. B. nach rein quantitativen Kriterien vorgehen. Es gibt ein Gerangel zwischen den einzelnen Fakultäten und Fachbereichen und zwischen den Universitäten und Fachhochschulen. Im folgenden möchte ich auf die besondere Rolle der Fachhochschulen detaillierter eingehen: 

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Verschiedene Modelle |
4 Die spezifischen Stärken der Fachhochschulen Nach meiner Auffassung sollten die Fachhochschulen das zuvor herausgestellte anwendungsorientierte Profil erhalten und dieses Profil und damit ihre Stärken verbessern. Leider hat man manchmal den Eindruck, dass im Gegenteil eine Verwischung der unterschiedlichen Profile angestrebt wird, bis hin zum Bestreben, mit den Universitäten in jeder Beziehung gleichzuziehen. Auch aus internationaler Sicht, wo ohnehin unsere bisherigen Ausbildungsgänge vielfach zu Missverständnissen und Unsicherheiten bei der Einordnung führten, besteht sicherlich die Gefahr, dass die Unübersichtlichkeit nicht abgebaut, sondern sogar noch vergrößert wird. Die Frage ist, ob wir uns diesen Wettbewerb leisten können. Ich möchte konkret mit einem Beispiel über die Ausbildung zum Diplom- und zum Bachelor und Master beginnen, wie sie sich an der Fachhochschule München gestaltet; siehe Bild 7. Man erkennt, dass alle oben erläuterten Randbedingungen wie Industriepraktika, fachübergreifende Qualifikationen und die Berufsbefähigung sowohl beim Bachelor-Studiengang als auch die Fortsetzung zum Master hier realisiert wurden. Der Bachelor wird nach 7 Semestern erreicht, und dann setzt sich der Abschluss zum Master of Engineering fort, wobei die Breite des Wissens und die Vertiefung in einem Fach im Vordergrund steht. Für die Fachhochschulen ist dieser Master-Abschluss neu, da er über das jetzige Diplom hinausgeht. Interessant ist an dem Beispiel auch die Gestaltung der Projektphasen und der Praxisanteile, die in das Studium integriert werden und teilweise in der Freizeit der Studierenden abzuleisten sind. Diese Struktur ist nur eines von mehreren Beispielen, wo nach meiner Auffassung der spezifische Charakter der Fachhochschulen bewusst gestärkt und ausgebaut wird, auch hinsichtlich der neuen konsekutiven Abschlüsse. In dieser Beziehung sind die neuen Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Entwicklung der Fachhochschulen zu nennen. 

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4.1 Praktika und Weiterbildung Ich befürworte ebenfalls die dort gegebene Empfehlung, das Praxissemester zu einem obligatorischen Bestandteil aller Studiengänge zu machen. Dieses Semester oder die entsprechenden Praxisphasen sind von der Hochschule zu steuern und zu überwachen; der VDE empfiehlt, dieses Industrie-Praktikum studienbegleitend durchzuführen. Praktika und praktische Tätigkeiten in der Industrie sollten zunehmend auch im Ausland absolviert werden. Hierbei ist es wichtig, dass eine Praktikumbescheinigung vom Ausbildungsbetrieb ausgestellt wird. Die Praktika der Studierenden in der Industrie werden nicht benotet; sie werden von der Hochschule lediglich anerkannt. Zuständig für die Anerkennung sind die Praktikanten- oder Prüfungsämter der Fakultäten im Auftrag der jeweiligen Praktikantenprofessoren. |
| Industrienähe |
Zusätzlich zu den berufspraktischen Studiensemestern führen die Studierenden vielfach ihre Studien- und Diplomarbeiten in der Industrie durch. In diesem Fall müssen die Diplomarbeiten von der Hochschule ausgegeben und betreut werden, wobei es ein Vorschlagsrecht des Studierenden für das Thema der Diplomarbeit gibt und wo vielfach bereits Kontakte mit einem Unternehmen bestehen. Bei Diplomarbeiten in der Industrie muss die Betreuung sichergestellt sein. Nur die selbständige Leistung des Studierenden zählt bei der Bewertung. Es sollte natürlich vermieden werden, dass Diplomanden im Rahmen eines breit angelegten Themas nur als günstige Arbeitskraft an diversen Projekten eines Unternehmens mitarbeiten. Die Diplomarbeiten sind Prüfungsleistungen und werden benotet. Studienarbeiten gehören zu den Prüfungsvorleistungen und erfordern meistens lediglich einen Leistungsnachweis. Man erkennt aber an diesen Beispielen bereits die enge Praxisnähe bei der Ausbildung, vor allem an Fachhochschulen. Diese beiden Bestandteile, die Industriepraktika, die Studien- und Diplomarbeiten, die meistens in Verbindung mit Entwicklungsprojekten in der Industrie durchgeführt werden, kennzeichnen den an die Erfordernisse der beruflichen Praxis ausgerichteten Fachhochschul-Absolventen. Diese Praxisnähe und die damit verbundene Berufsbefähigung zeichnet die deutschen Hochschulabsolventen im Vergleich zum Ausland aus, wo die eigentliche Berufsbefähigung erst nach einigen Jahren konkreter Berufsarbeit erworben wird.
Ich meine, diese Vorteile des deutschen Systems sollte auch bei der neuen Struktur unserer Ausbildung erhalten, ja sogar weiter entwickelt werden. Beispiele sind die zahlreichen dualen Studiengänge vor allem an Fachhochschulen sowie die zunehmende Verzahnung der beruflichen Aus- und Weiterbildung mit der Hochschulausbildung. Kernpunkt ist die Verbindung von akademischer Ausbildung und betrieblicher Praxis. Die Praxis kommt von den Unternehmen, die Theorie von den Hochschulen. Ein ähnliches Ziel wird mit der Verzahnung der beruflichen Ausbildung verfolgt. Bei Siemens werden hierbei auch die Technikakademien einbezogen. Im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik werden etwa 20 % der Siemens-Ausbildung über die Technikakademien bestritten. Hierbei werden die Jugendlichen mit Abitur oder Fachhochschulreife in 2 Jahren zum Industrietechnologen oder Techniker ausgebildet. Für besonders gute Absolventen wird ein Ergänzungsstudium in 4 Semestern zum Bachelor in Zusammenarbeit mit ausgewählten Fachhochschulen angeboten. Die Firma Phoenix Contact geht in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Lippe noch einen Schritt weiter, in dem unter dem Stichwort Kooperative Ingenieurausbildung Abiturienten im Unternehmen eine Facharbeiterausbildung erhalten und parallel dazu an der Fachhochschule das Diplom-Studium absolvieren. Mehr als 80 % der theoretischen Ausbildung, die im klassischen Fall eine Berufsschule abdeckt, wird von der Fachhochschule übernommen. Eine Ausbildung dieser Art erzeugt zahlreiche Synergieeffekte. Neben der Bindung zukünftiger Ingenieure, die beim derzeitigen Ingenieurmangel enorm wichtig ist, besteht ein weiterer Vorteil in dem ständigen Wissens- und Technologietransfer zwischen Unternehmen und Hochschule. |
| Qualität |
Kürzlich hat der Industrieverband ZVEI mit den Ausbildungspartnern, darunter der IG-Metall, eine Vereinbarung über die reguläre Etablierung ähnlicher Formen der beruflichen Weiterbildung mit der Hochschulausbildung im Bereich der IT-Weiterbildung geschlossen [4]. Dieser Weg, insbesondere die stärkere Einbindung der Qualität Fachhochschulen in die Weiterbildung, ist sicher zu begrüßen. Auf der anderen Seite muss nach meiner Auffassung hierbei sensibel und vorsichtig operiert werden: Ebenso wie bei der angestrebten Verkürzung der Studienzeiten darf die Qualität der Ingenieurausbildung bei den neuen Formen nicht abgesenkt werden. Wie mehrfach betont, hat die hohe Qualität der Ingenierausbildung in unserem Land einen maßgebenden Anteil daran, dass Deutschland in zahlreichen Feldern eine internationale Spitzenposition erreicht hat, die für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes äußerst wichtig ist, wie beispielsweise die Mikro- und Nanotechnik, die Verkehrstechnik, Automatisierungstechnik oder die Medizintechnik. Diese hohe Qualität ist auch bei den neuen Formen der Ausbildung zu erhalten und weiterzuentwickeln. 

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Stärken ausbauen |
4.2 der Forschung, Promotion? Der Wissenschaftsrat spricht sich in seinen Empfehlungen für eine anwendungsorientierte Forschung an Fachhochschulen aus. Hier bin ich zurückhaltend und spreche wieder von der Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zumindest hinsichtlich der allgemeinen Formulierungen des Wissenschaftsrates. Natürlich können einige Fachhochschulen bzw. die Professoren anwendungsorientierte Forschung betreiben; ganz davon abgesehen, dass dies bei der Entwicklung bereits vielfach der Fall ist. Die Infrastruktur, die personelle und sachliche Ausstattung ist an einigen Fachhochschulen sicher auch für die Forschung gegeben bzw. kann entsprechend gestaltet werden. Die Frage ist für mich lediglich, ob alle Hochschulen hierzu in der Lage sind; ich habe da meine Zweifel. Deshalb auch hier mein Credo: Die vorhandenen Stärken erhöhen und ausbauen, und diese liegen in der Vermittlung berufsnaher Qualifikationen. Selbst wenn ich bei einigen Fachhochschulvertretern Unmut hervorrufe: Ich plädiere deshalb dafür, dass sich die Fachhochschulen auf die Anwendungsorientierung und die Breite der Ausbildung beschränken, auf die Fähigkeit zum multidisziplinären Arbeiten - und dies wird meines Erachtens bei den neuen Studiengängen mit dem Abschluss "Master of Engineering" ausgedrückt. Demgegenüber beschreibt der Titel "Master of Science" wie in dem anglo-amerikanischen System eine wissenschaftliche Vertiefung in einem Spezialgebiet und orientiert auf den Forschungsbezug. Hier ist für mich die Frage, wie viele Fachhochschulen dies derzeit leisten können.
Zur Klarstellung: Ich unterscheide zwischen Forschung und anwendungsorientierter Entwicklung, die an den Fachhochschulen schon heute vielfach geleistet wird. Beim Bachelor stütze ich mich auf die Empfehlungen des VDE, der in seinen Leitlinien sagt, dass man auf eine Differenzierung zwischen Bachelor of Engineering und Bachelor of Science verzichten kann - auch bei den Universitäten. Bei Ingenieuren müsste ein Bachelor of Science wegen seiner stärkeren Theorieorientierung überwiegend als Vorstufe für ein weiterführendes Studium zum Master of Science und weniger als berufsbefähigender Abschluss angesehen werden. |
| Pragmatismus |
Noch größeren Unmut werde ich bei Ihnen sicherlich auf mich ziehen, wenn ich hinsichtlich der Promotion die Position des Wissenschaftsrates befürworte. Für eine eigene Promotionsmöglichkeit an Fachhochschulen sehe ich derzeit keine Veranlassung. Dies hat überhaupt nichts mit einer Abwertung zu tun, sondern mit der von mir klar dargestellten Notwendigkeit, die eigenständigen Profile der Hochschulen zu stärken und nicht zu verwischen. Der Wunsch nach Promotionsrecht ist aus Sicht einiger Fachhochschullehrer verständlich, aber ich sehe zusätzlich zu meinen grundsätzlichen Erwägungen hierfür in der Praxis keine realistische Möglichkeit. Die Fachhochschulen sollten m. E. deshalb den Weg gehen, den der Wissenschaftsrat in anderem Zusammenhang aufzeichnet: Den wissenschaftlichen Mittelbau stärken, die Ausstattung in den Fachbereichen erheblich verbessern, einschließlich mit Laboringenieuren und wissenschaftlichen Mitarbeitern, und dann kann in etwa 10 Jahren die Frage des Promotionsrechtes neu gestellt werden. In der Zwischenzeit sollten die Fachhochschulen, die hieraus keine Ideologiefrage machen, sondern für besonders qualifizierte Absolventen wirklich an einer Promotionsmöglichkeit interessiert sind, das sogenannte kooperative Promotionsverfahren betreiben, d. h. die Zusammenarbeit mit einer Universität. Dieses Verfahren ist mit dem Fakultätentag Elektrotechnik und Informationstechnik abgesprochen; es müsste nur mit Leben ausgefüllt werden. In den Fällen, wo die Universitätsseite Hindernisse sieht oder aufbaut, sollten diese energisch abgebaut werden. Wie mir vom VDE-Ausschuss Ingenieurausbildung zu dieser Frage berichtet wurde, sind die Vertreter des Fakultätentages Elektrotechnik und Informationstechnik offen für jede Diskussion. Es wurden gemeinsam entsprechende Verfahrensregeln ausgearbeitet, die umzusetzen sind.
Im Mittelpunkt der vorliegenden Übersicht standen Aspekte der modernen Ingenieurausbildung und ihres Umfeldes unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der Fachhochschulen im Verhältnis zur Industrie. 
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