An deutschen Hochschulen wurden in den letzten Jahren einige Fachbereiche/Fakultäten der Elektrotechnik/Informationstechnik (FaEI) mit anderen Einheiten zusammengelegt. Im Folgenden haben wir für Sie die Schlussfolgerung aus der Diskussion im zuständigen VDE-Ausschuss zu diesem Thema sowie eine Zusammenstellung von Argumenten - für und wider - zusammengestellt.
Bezeichnungen für übergeordnete Strukturen, in denen die Elektrotechnik meist mit dem Maschinenbau und/oder auch mit der Informatik zusammengefasst wurde, lauten z.B.:
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„Informatik und Ingenieurwissenschaften“
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„Elektrotechnik und Informatik“
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„Ingenieurwissenschaften und Informatik“
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„Ingenieurwissenschaften“
Es wurden zunächst beispielhaft Vertreter verschiedener Hochschulen gefragt, wie die Fusionsbestrebungen begründet wurden. Die Hochschulleitungen führten Kosteneinsparung, Schnittstellenverkleinerungen sowie die Vergrößerung von zu kleinen Strukturen an. Während der darauf folgenden Diskussion im VDE- Ausschuss berichteten die Mitglieder über Beispiele von als gelungen und weniger gelungen bewertete Fusionen. Dies trifft für Fachhochschulen und Universitäten sowie auch für verschiedene Bundesländer zu.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen geringere Einspareffekte als erhofft. Außerdem leben oft alte Strukturen weiter. Der VDE sieht außerdem Schwierigkeiten in dem Verschwinden der Marke und Identität der Elektrotechnik.
Der VDE spricht sich daher bei diesen übergeordneten Einheiten für den Erhalt des Namens „Elektrotechnik“, z.B. als „Elektrotechnik und Informatik“ aus. Dies hat den Vorteil, dass auch Informatik-Interessierte nahe an die Elektrotechnik gebracht werden können. Der Name des Fachbereiches/der Fakultät entscheidet hingegen nicht überwiegend über die Studienwahl von künftigen Studierenden, sondern der Name der darin enthaltenen Studiengänge.
Problematisch ist die Verringerung der Zahl der Professoren im Zuge de Zusammenlegung. Hierzu hatte jedoch der VDE bereits im Papier „Zur Ausstattung von Hochschulen“ Stellung bezogen. Das heißt: Nicht der Name, sondern eher die Ressourcenbehandlung steht bei einer Zusammenlegung im Vordergrund, die im Übrigen auch ein Problem einzelner Fakultäten Elektrotechnik sein kann.
Der Ausschuss kommt zu dem Schluss, dass bei einigen Fusionen die angestrebten Ziele nicht erreicht werden konnten, jedoch hieraus keine nachweislich besorgniserregende Gefahr für die Ingenieurausbildung abgeleitet werden kann. Damit besteht gegenwärtig kein aktueller Handlungsbedarf. Bei Ausstattungsproblemen ist auf die oben genannte VDE-Empfehlung zu verweisen.
Pro und Kontra zur Zusammenlegung von Fachbereichen/-Fakultäten Elektro- und Informationstechnik (FaEI) mit anderen Fachbereichen/-Fakultäten:
In der Diskussion und auch in der Befragung stellten sich folgende Argumente - für und wider - heraus.
Pros
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Droht durch Unterschreiten einer „kritischen“ Masse an Studierenden/Professoren die Auflösung des FaEI, so kann es sinnvoll sein mit artverwandten Fa zusammen-zugehen. Dann richtet sich die neue gemeinsame Struktur auf den Schnittstellenbereich aus: z.B. Elektrotechnik/- Informationstechnik + Maschinenbau => Mechatronik („Mergen von Gleichen“ keine Übernahme).
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Erfolgreiche Querschnittsfachkulturen können entstehen.
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(Minimale) Reduktion von nichtwissenschaflichem Personal in der Verwaltung durch Synergieeffekte und Rationalisierung in der fusionierten Struktur (Quantisierung der Arbeit).
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Wenn Zusammenschlüsse erfolgen, dann eher mit anderen Ingenieurdisziplinen in starker Anwendung der Elektrotechnik/Informationstechnik.
Cons
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Eine Zusammenlegung mit einem anderen Fa bedeutet Profilverlust und Verlust des Elektrotechnik-spezifischen Forschungs-Know-How. Nach außen wird Elektrotechnik/Informationstechnik dann nicht mehr wahrgenommen und gegenüber Industrie und Verbänden vertreten, je nachdem ob Elektrotechnik/Informationstechnik Majoritätspartner ist oder nicht. Wenn nicht, droht ein Ausbluten des Elektrotechnik/-Informationstechnik Know-Hows mit der Reduktion auf die reine Anwendung im aufnehmenden Fa.
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Zusammenschlüsse, die keine „Liebesheirat“ sind, führen oft zu keiner geschlossenen Einheit sondern eher zu separierenden Subkulturen innerhalb der geschaffenen größeren Struktur. Das Resultat ist eher weniger Effizienz und Erfolg durch erhöhten Reibungsverlust.
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Werden große Fas zu noch größeren Fas zusammen-gelegt, z.B. Einheiten mit über 80-90 Professoren und 5.000-8.000 Studierenden, so muss zwangsläufig eine Aufteilung innerhalb solch großer Fas entstehen. Die Folge wäre dann wiederum ein Entstehen von Sub-Fas, die sich ggf. dann wieder fachspezifisch bilden z.B. zu Sub-Elektrotechnik/Informationstechnik-Fa. Damit ist mit einem sehr großem Fa dann nur eine weitere Verwaltungsebene entstanden mit zunächst keinem substantiellen Inhalt. Außerdem gibt es bei diesen auch starke Profilfindungsprobleme.
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Ein Zusammenschluss Elektrotechnik/Informationstechnik mit Informatik ist problematischer, da hier zwei diametral unterschied-liche Denkweisen inkompatibel zusammenkommen. Elektrotechnik/-Informationstechnik kommt wie jede Ingenieurswissenschaft aus der Physik und ist technologisch orientiert; wohingegen Informatik eine Strukturwissenschaft ist ähnlich der Mathematik, bei dem Elektro-technik/Informationstechnik nur eine Spielwiese darstellt.
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Das Pflegen einer Fachkultur braucht ein organisatorisches „Gefäß“. Dort findet der Austausch, der wissenschaftliche Diskurs statt. Eine kritische Masse an Fachgebieten und auch an Expertise ist nötig. Eine solches Gefäß stellt die bewährte Organisationseinheit Fa dar.
Querschnittsfacherfordernisse wie z.B. Mechatronik können auch Fa-übergreifend in enger Zusammenarbeit mit anderen Fas abgedeckt werden. Klappt dies nicht zwischen Fas, so wird es auch nicht durch zwangsweise Zusammenlegung besser, da jeweils dieselben beteiligten Personen sind.