Die Hochschulen benötigen Unterstützung aus der Wirtschaft
Vorwort
An den deutschen Hochschulen ist die Zahl der ausländischen Studenten, insbesondere aus den aufstrebenden Ländern Asiens, seit Jahren stark rückläufig. Dieser geringe Anteil wird der Bedeutung Deutschlands als Industrie- und Exportnation bei weitem nicht gerecht. Dadurch entgehen unserem Land und seiner Wirtschaft die Bindungen ausländischer Eliten zu ihrem Studienland und damit wichtige Sympathieträger.
Um diesem Trend entgegenzuwirken, entwickeln die deutschen Hochschulen neue Studienangebote für den internationalen Bildungsmarkt. Damit treten sie jedoch zugleich in den Wettbewerb mit vielen Hochschulen in Ländern wie USA, Großbritannien und zunehmend Australien, die ihre Studienangebote erfolgreich an ausländische Studenten vermarkten. Auch auf diese neuen Herausforderungen müssen sich die deutschen Hochschulen einstellen.
Der VDE empfiehlt daher den Hochschulen, geeignete Marketingstrategien und -instrumente für das Studium in Deutschland zu erarbeiten und einzuführen. Gleichzeitig mit der Entwicklung neuer Studienangebote ist mit der intensiven Werbung um ausländische Studenten zu beginnen.
Von der Politik erwartet der VDE, daß sie die Hochschulen bei ihren Initiativen nach Kräften unterstützt, wettbewerbsfördernde Freiräume für neue Konzepte schafft und alle Einschränkungen beseitigt, die diese positiven Entwicklungen behindern könnten.
Die Werbung für das Ingenieurstudium in Deutschland ist auch ein wichtiges Anliegen der Wirtschaft. Deshalb erwartet der VDE von ihr, insbesondere von den Unternehmen der Elektrotechnik und Informationstechnik, die Bemühungen der Hochschulen um ausländische Studenten aktiv zu unterstützen und in ihre eigenen Auslandsaktivitäten mit einzubeziehen.

Studienstandort Deutschland attraktiver machen
Deutschland lebt vom Export. Die hohe Qualität und Zuverlässigkeit seiner Güter und Dienstleistungen werden allgemein geschätzt. In internationalen Fachkreisen genießen auch die deutsche Forschung und Ingenieurausbildung einen guten Ruf.
Während Deutschland früher auch als Ausbildungsland für den Fach- und Führungsnachwuchs aus aller Welt bevorzugt wurde, haben wir diese Stellung zugunsten anderer Industrienationen derzeit eingebüßt. Besonders nachgefragt werden heute die Länder USA, Großbritannien und zunehmend Australien. Dadurch verliert Deutschland Bindungen der ausländischen Eliten zu ihrem Studienland und damit wichtige Sympathieträger. Der Zugang zu den Meinungsbildnern und Entscheidungsträgern in anderen Ländern wird wesentlich erschwert.
Die Zahl der ausländischen Studenten in Deutschland, vor allem aus der Wachstumsregion Asien, wird unserer Bedeutung als Industrie- und Exportnation bei weitem nicht mehr gerecht. Der Rückgang gefährdet mittel- und langfristig den Erfolg unserer globalen Zusammenarbeit.
Neben ausländerrechtlichen Hindernissen sind folgende Hauptursachen für diese Entwicklung zu nennen:
- In der internationalen Zusammenarbeit dominiert die englische Sprache. Für Studierende aus Schwellenländern liegt es daher nahe, in englischsprachigen Ländern zu studieren.
- Die besonders nachgefragten Studienländer (USA, Großbritannien, Australien u.a.) werben intensiv um ausländische Studenten und vermarkten erfolgreich ihre Hochschulausbildung als "Produkt" und Dienstleistung. Das sichert ihnen zusätzliche Einkünfte und trägt zur Ausweitung ihres wissenschaftlichen Profils bei.
- Das angelsächsische Studiensystem mit Bachelor- und Masterabschlüssen ist international am weitesten verbreitet. Viele Entwicklungs- und Schwellenländer bieten selbst vorrangig Bachelorstudiengänge an und sind auf eine Masterausbildung im Ausland angewiesen. In Deutschland gibt es bisher keine hinreichend definierten Eingänge für Bachelors in unsere Diplom-Studiengänge. Auch wird beim Studium an angelsächsisch geprägten Hochschulen besonders geschätzt, daß dort die Studenten intensiver betreut werden als in Deutschland.

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Deutsche Hochschulen richten international vergleichbare Studienangebote ein
Zahlreiche Initiativen aus Politik und Wirtschaft haben die beschriebenen Sachverhalte in der jüngsten Zeit in den Vordergrund der deutschen Hochschulpolitik gerückt. Die angestrebten Novellierungen des Hochschulrahmengesetzes und der Hochschulgesetze der Länder sehen neben den Diplomabschlüssen jetzt auch Bachelor- und Masterabschlüsse vor.
Die Hochschulen greifen gegenwärtig diese neuen Möglichkeiten engagiert auf und entwickeln vielfältige Studienangebote, insbesondere zur Einrichtung von Masterstudiengängen sowie zur Systematisierung und Vereinfachung des Hochschulzugangs ausländischer Studienbewerber mit Bachelorabschluß.
Werbung um ausländische Studenten als neue Aufgabe der Hochschulen
Die deutschen Hochschulen waren früher nicht darauf angewiesen, um ausländische Studenten zu werben. Sie sind folglich auch nicht darauf eingestellt, im Wettbewerb mit Hochschulen anderer Länder ihre Ausbildungsleistungen international bekannt zu machen und sie als "Produkt" zu vermarkten. Dafür fehlen noch weitgehend die erforderlichen Konzepte u.a. mit konkurrenzfähigen Komplettangeboten und ansprechenden Werbemitteln. Außerdem fehlen geeignete Vertriebswege mit Zugang zu potentiellen privaten und institutionellen Ausbildungskunden. Der VDE empfiehlt den Hochschulen und ihren Organisationen deshalb dringend, parallel zur Einrichtung neuer Studiengänge auch die ebenfalls benötigten "Vertriebs"-Konzepte zu entwickeln und geeignete Vertriebswege aufzubauen.
Neben den üblichen Beschreibungen der Studienpläne, der Eingangsvoraussetzungen, des Studienablaufes mit Leistungskontrollen und Prüfungen müssen die neuen Studienangebote im Sinne einer "Produktspezifikation" mit Hinweisen zum "Kundennutzen" folgende Angaben beinhalten:
- Studien- und Arbeitsbedingungen an der Hochschule
(Vielfalt der fachspezifischen und interdisziplinären Lehrangebote; Förderung des Praxisbezugs, z.B. durch Praktika und Diplomarbeiten in der Industrie, Exkursionen, Gastvorlesungen von Praktikern, usw.; Studienberatung und -betreuung durch Tutoren; vorbereitende und begleitende Deutschkurse; Möglichkeiten für Stipendien; Beratung und Hilfestellung z.B. bei Visabeschaffung und Wohnungsfragen).
- Schwerpunkte der Zusammenarbeit mit der Industrie, insbesondere im Bereich von Forschung und Entwicklung sowie beim Technologietransfer.
- Wohn- und Freizeitmöglichkeiten am Hochschulort
(Wohnheime, Sport, Freizeitgruppen, Hochschulgruppen, Ausländerfreundeskreise, Stadtportrait, kulturelle Angebote, Lebensumfeld).
Die Vorteile der einzelnen Hochschulen sind den Studienbewerbern deutlich zu machen.
Neben eigenständigen Werbeaktivitäten sollten die Hochschulen auch Gemeinschaftsaktionen in den Zielländern durchführen. Der VDE begrüßt, daß der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) solche Gemeinschaftsaktionen initiiert, plant, koordiniert und zum Teil auch finanziell fördert. Solche Gemeinschaftsaktionen sind z.B.:
- Herausgabe von Sammelprogrammen und Werbemitteln für deutsche Studienangebote.
- Organisation der Hochschulbeteiligungen an großen Industrie- und Bildungsmessen sowie an Bildungskongressen.
- Veranstaltung von Pressekonferenzen, Werbekampagnen im In- und Ausland, z.B. auch mit den Botschaften der Zielländer in Deutschland.
- Durchführung von Marktbeobachtungen und Konkurrenzvergleichen.
- Organisation von Kontaktveranstaltungen mit Vereinen ehemaliger Studenten deutscher Hochschulen, mit Deutschen Kulturstiftungen, Technology Promotion Clubs u.a..
- Pflege von Akquisitionskontakten zu Hochschul- und Technologieministerien der Zielländer, zu Mittlerorganisationen und staatlichen Stipendiengebern.
Die Hochschulen benötigen Unterstützung aus der Wirtschaft
In den Zielländern sollten die deutschen Botschaften, die deutschen Außenhandelskammern, deutsche Kulturinstitute (z.B. Goethe-Institut) und Bildungseinrichtungen (z.B. Ausbildungszentren der GTZ oder deutscher Stiftungen), die Häuser der deutschen Wirtschaft usw. in die Werbe- und Vermarktungsaktivitäten eingebunden werden und untereinander festlegen, wer als Kontaktpartner zum DAAD und zu den Hochschulen die landesspezifischen Aktionen koordiniert.
Die Werbung für ein Studium in Deutschland ist ein Gemeinschaftsanliegen der Politik, der Hochschulen und der Wirtschaft. Deshalb erwartet der VDE auch von der Wirtschaft, insbesondere von den Unternehmen der Elektrotechnik und Informationstechnik, das Marketing für das Ingenieurstudium an deutschen Hochschulen in ihre Auslandsaktivitäten einzubeziehen, erforderliche Praktikantenplätze bereitzustellen, Patenschaften für Studenten zu übernehmen, Stipendien zu gewähren sowie befristete Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland zu schaffen, damit erste Berufserfahrungen gesammelt werden können. Firmen-Repräsentanzen und Niederlassungen im Ausland sollten bei Hochschul- und Werbeveranstaltungen, z.B. auf Industriemessen im Ausland, mitwirken, die Hochschulwerbung in eigene Veranstaltungen integrieren und z.B. laufende Kontakte zu den Vereinigungen ehemaliger Studenten deutscher Hochschulen pflegen.
